{"id":6487,"date":"2019-01-29T16:18:37","date_gmt":"2019-01-29T15:18:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/?page_id=6487"},"modified":"2019-01-29T17:16:18","modified_gmt":"2019-01-29T16:16:18","slug":"olwig","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/?page_id=6487","title":{"rendered":"Olwig"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><\/h2>\n\n\n\n<p>Tjoren  kam, um sich von Aerdan zu verabschieden. Heute sollten sie sich ihren  Anf\u00fchrern anschlie\u00dfen und zum schwarzen Tor reiten, um den dunklen  Herrscher herauszufordern. Es war noch kaum hell drau\u00dfen.&nbsp; Sie sprachen  leise miteinander, um die \u00fcbrigen im Zelt nicht zu st\u00f6ren. Tjoren  war schon im Begriff, zu gehen, als Olwig sich regte. &#8222;Gebt auf euch  Acht&#8220;, sagte er leise. &#8222;Habe ich&#8230; habe ich dich schon richtig um  Verzeihung gebeten, Tjoren? Drau\u00dfen, auf dem Pelennor? Ich habe mich dir  gegen\u00fcber besonders scheu\u00dflich verhalten, und ich sch\u00e4me mich daf\u00fcr.&#8220;  Seine Stimme war noch leiser geworden. Er bekam schlecht Luft.Tjoren  seufzte. Es war eine seltsame Sache, aber seit er Aerdans Sorge um  Olwig begleitet hatte, seine Freude dar\u00fcber erlebt hatte, da\u00df der Mann  bis jetzt \u00fcberlebt hatte, konnte er Olwig nicht mehr so verabscheuen wie  fr\u00fcher. Auch jetzt, als er in sich hineinhorchte, fand er nur Mitleid  mit jemandem, dessen Leben so aus den Fugen geraten war. Wut war f\u00fcr  starke Feinde. Dieser hatte aufgeh\u00f6rt, ein ernster Gegner zu sein.&nbsp;&#8222;Das  wei\u00df ich,&#8220; sagte er also. &#8222;Und deshalb bin ich nicht mehr w\u00fctend auf  dich. Ich hoffe, du erholst dich gut w\u00e4hrend wir fort sind. &#8222;Olwig schluckte und blinzelte mehrmals. &#8222;Ich danke dir&#8220;, sagte er schlie\u00dflich.&nbsp;Tjoren  war best\u00fcrzt, als er sah, wie sich Tr\u00e4nen in Olwigs Augen sammelten.  &#8222;Fr\u00fcher&#8220;, sagte der Kranke m\u00fchsam, &#8222;h\u00e4tte ich das nicht zu sch\u00e4tzen  gewu\u00dft. Ich w\u00e4re jetzt gekr\u00e4nkt und w\u00fctend gewesen. &#8218;Erscheine ich dir  so j\u00e4mmerlich, da\u00df ich deinen \u00c4rger nicht wert bin?&#8216; h\u00e4tte ich gefragt  und dich noch etwas mehr gehasst, denn ein Sieger braucht die Verzeihung  des Unterlegenen kaum.Verzeihen tut der St\u00e4rkere dem Schw\u00e4cheren  gegen\u00fcber und du bist st\u00e4rker als ich. In fast jeder Beziehung. Damals  w\u00e4re ich nicht in der Lage gewesen, das noch zu der Erniedrigung zu  ertragen. Heute&#8230; bin ich froh \u00fcber jede Last, die ich nicht weiter  mitschleppen mu\u00df. Es&#8230; es ist so schon schwer genug&#8230;&#8220;Er  mu\u00dfte husten von den vielen Worten und st\u00f6hnte auf vor Schmerzen, als  das seinen zerschmetterten Brustkorb ersch\u00fctterte. Beide M\u00e4nner an  seinem Bett kamen ihm zu Hilfe. Aerdan st\u00fctzte ihn, Tjoren reichte ihm  etwas zu Trinken an, als der Anfall vor\u00fcber war.Olwig  holte so tief Luft, wie er es gerade wagte. &#8222;Gib auf die anderen Acht,  Tjoren, da, wo ihr hinreitet. Du brauchst die Dunkelheit nicht zu  f\u00fcrchten, nicht jemand, der ein eigenes Licht in sich tr\u00e4gt, so wie du.&#8220; Tjoren  r\u00e4usperte sich verlegen. &#8222;Die meisten sind sich sicher, da\u00df das eher  mein aufbrausendes Temperament ist, was da auflodert.&#8220;Er brauchte einen Moment, um zu erkennen, da\u00df das seltsam keuchende Ger\u00e4usch, das er h\u00f6rte, Olwigs Lachen war.&nbsp;&#8222;Die meisten kennen dich schlechter als ich. Lass sie sich wundern.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Olwig, nach dem Pelennor, w\u00e4hrend die anderen am schwarzen Tor sind.  Inzwischen  geht es ihm wieder leidlich gut, einige Knochen sind noch nicht wieder  heil, aber er ist in jenem Zelt geblieben, weil es gerade so passte,  weil Bynstan ihren Arzt anders eingesetzt hatte und aus Freundschaft zu  Gerwald.Aerdan war noch nicht voll einsatzf\u00e4hig, hatte aber Verwaltungsaufgaben \u00fcbernommen und kam nur mehr einmal am Tag vorbei.<br \/>Er  knirschte mit den Z\u00e4hnen. Seit dieses jammernde Kind auf der Pritsche  neben seiner lag, fand er kaum mehr Schlaf. \u00c4rgerlich drehte er sich  fort, soweit es seine Verletzungen zulie\u00dfen, und zog sich die Decke \u00fcber  den Kopf. Das Schluchzen war immer noch zu h\u00f6ren. Deutlicher sogar,  schien es ihm, seit er darauf gelauscht hatte. Als es schlie\u00dflich  verstummte gab er sich nicht der Illlusion hin, da\u00df dies lange so  bleiben w\u00fcrde, denn die Erfahrung hatte ihn gelehrt, da\u00df der Junge nie  lange Ruhe gab. So war es auch diesmal wieder. Diesmal begann es als  leises Wimmern, immer wieder unterbrochen von kurzen Schmerzlauten.Entnervt  zog Olwig die Decke fort, drehte sich zur\u00fcck und blickte hin\u00fcber. Au\u00dfer  dem blonden Schopf des Jungen war nicht viel von ihm zu erkennen. Olwig  seufzte. Es brachte nichts, auf Gerwald zu hoffen, der sich sonst  unerm\u00fcdlich um alle k\u00fcmmerte. Gerwald war so ersch\u00f6pft gewesen, da\u00df der  Arzt darauf bestanden hatte, da\u00df er eine Pause einhielt. Vor morgen  Mittag w\u00fcrde er nicht zur\u00fcck sein, aber sein Ersatz war neben der  Verbandstruhe eingeschlafen. Olwig knirschte wieder mit den Z\u00e4hnen. Wenn  es ihm nicht immer noch so schlecht ginge h\u00e4tte er mit irgendetwas nach  dem Mann geworfen um ihn zu wecken, aber so hatte er wenig Aussicht auf  Erfolg, wenn den die Ger\u00e4usche um sich herum schon nicht st\u00f6rten. Wenn  er wollte, da\u00df der Junge Ruhe gab, mu\u00dfte er schon wohl oder \u00fcbel selbst  daf\u00fcr sorgen.&#8220;Hey,  Kleiner&#8220;, rief er ihn leise an. &#8222;H\u00f6rst du mich?&#8220; Das Wimmern verstummte  und der Junge wandte ihm den Kopf zu und sah ihn aus gro\u00dfen Augen an.  Blau waren sie, wie der Himmel im Sommer, und in dem stark ger\u00f6teten,  schmalen Gesicht fielen sie besonders auf. Er schniefte ungl\u00fccklich.&nbsp;&#8222;Wie hei\u00dft du, Kleiner?&#8220;&#8220;Sigurd.&#8220;&nbsp; Seine Stimme war noch die eines Kindes. &#8222;Und du?&#8220;&#8220;Olwig. Wie alt bist du, Sigurd?&#8220;&#8220;11.&#8220;Olwig blinzelte. &#8222;Und du hast auf dem Pelennor gek\u00e4mpft?&#8220;&#8220;M-hm&#8220;,  machte der Junge, und seine Augen f\u00fcllten sich mit Tr\u00e4nen. &#8222;Mein Bruder  wollte das nicht, aber ich wollte nicht allein zur\u00fcckbleiben.&#8220;&nbsp;&#8222;Ist dein Bruder auch hier?&#8220;Mehr Tr\u00e4nen. &#8222;Nein.&#8220;&#8220;Vielleicht findet&#8230;&#8220;&nbsp;&#8222;Nein, Olwig. Er hat es nicht geschafft.&#8220;&#8220;Oh.&#8220;  Er hatte ihn ablenken wollen, hatte aber nun \u00fcberhaupt keine Ahnung,  was er sagen sollte. Eventuell nur: Ich m\u00f6chte schlafen, sei bitte  ruhig, ja? Er war schon kurz davor, als Sigurd ihn fragte: &#8222;Olwig, wei\u00dft  du ob es sehr weh tut, wenn sie einem den Arm abnehmen?&#8220;Olwig blinzelte mehrmals. &#8222;Warum fragst du?&#8220;&#8220;Weil  der Arzt gesagt hat, da\u00df sie das morgen wahrscheinlich tun m\u00fcssen. Er  hat es nicht zu mir gesagt, aber ich habe ihn geh\u00f6rt, und jetzt habe ich  einfach nur Angst. Auch, weil sie mich woanders hingebracht haben.  Warum haben sie mir nicht erkl\u00e4rt, was los ist? Olwig?&#8220;&#8218;Schei\u00dfe!&#8216;,  dachte Olwig. &#8218;So eine Schei\u00dfe. Sie haben dich hergebracht, weil hier,  zumindest sonst, bessere Betreuung herrscht. Weil die, die hier sind,  das n\u00f6tig haben. Weil f\u00fcr die, die hier sind, zum Teil keine Hoffnung  auf Besserung besteht. Und darum haben sie dir das nicht gesagt.&#8216;&nbsp;Laut  aber sagte er: &#8222;Ich wei\u00df nicht, Junge. Vielleicht wei\u00df der Arzt hier  besser mit deiner Verletzung umzugehen. Meine Knochen hat er recht gut  wieder eingerichtet, mir geht es schon viel besser als noch vor ein paar  Tagen. Du wirst sehen, dir geht es bestimmt auch bald besser.&#8220;&#8220;Aber&#8230; aber wie soll es das, wenn ich keinen Arm mehr habe? Den braucht man doch!&#8220;Richtig.  Olwig hatte ein flaues Gef\u00fchl im Bauch. Es war das eine, pl\u00f6tzlich im  Kampf verst\u00fcmmelt zu werden, aber etwas v\u00f6llig anderes, darauf zu  warten. Zu wissen, da\u00df man heute noch zupacken konnte, aber morgen nicht  mehr. Ein Kind mit diesem Wissen allein zu lassen&#8230; nun, der Arzt  ahnte das ja nicht, aber&#8230; Er verstand, das eine einfache Bitte um Ruhe  unm\u00f6glich Erfolg haben konnte. Armer kleiner Kerl. Schei\u00dfe.Sigurd streckte z\u00f6gerlich die Rechte nach ihm aus. &#8222;Kannst du meine Hand nehmen? Bitte? Ich habe so Angst.&#8220;&#8220;Du  hast Gl\u00fcck, da\u00df meine Linke so ziemlich das Einzige ist, was ich mir  nicht gebrochen habe&#8220;, brummte Olwig und kam seiner Bitte nach. Die Hand  des Jungen war warm und zuckte, wann immer er sich vor Schmerzen auf  die Lippen bi\u00df.&nbsp;&#8222;Der  Mann da dr\u00fcben auf der anderen Seite hat vorhin geschimpft, weil ich so  laut geweint habe. Ich versuche ja, das nicht zu tun, aber&#8230; es tut so  weh&#8230;.&#8220;&nbsp;&#8222;Das wu\u00dfte er wohl nicht. Hat man dir denn nichts gegen die Schmerzen gegeben?&#8220;&nbsp;&#8222;Der  Arzt hat gesagt, da k\u00fcmmern sich die anderen drum, aber hier haben sie  mich nur reingebracht und dann war niemand mehr bei mir.&#8220;&#8218;Schei\u00dfe&#8216;,  dachte Olwig zum wiederholten Male, denn sein eigener Krug war  inzwischen leer. Ein Grund mehr, ihn zu werfen. Er begann, wieder  dar\u00fcber nachzudenken.&#8220;Aber morgen, ehe sie das mit dem Arm machen, da geben sie mir doch bestimmt irgendetwas, oder, Olwig?&#8220;&#8220;Aber nat\u00fcrlich!&#8220; beeilte er sich zu versichern.&nbsp;&#8222;Danach&#8230; wenn das alles weg ist&#8230; tut es dann weniger weh?&#8220;(&#8218;Nach  allem, was ich geh\u00f6rt habe, nein&#8230;&#8216;) &#8211; &#8222;Ich denke schon&#8220;, antwortete  er. &#8222;Ich denke dann heilt es, und dann kannst du bald wieder  herumlaufen, und dann lernst du, alles eben anders und langsamer zu  machen. Es k\u00f6nnte doch viel schlimmer sein. Schau, du lebst noch und  deine Leute werden \u00fcbergl\u00fccklich sein, wenn sie dich wiederhaben.&#8220;Da  waren die Tr\u00e4nen wieder, die schon versiegt waren, als er Sigurds Hand  genommen hatte. &#8222;Aber es ist doch niemand mehr da. Uhland und ich haben  doch als Einzige vom Hof fliehen k\u00f6nnen, und jetzt ist er auch nicht  mehr da.&#8220;(&#8218;Sch&#8230;!&#8216;)  &nbsp; &#8222;Du bist noch da. Du erinnerst dich an sie alle. Und irgendwann  findest du eine Frau und bekommst Kinder und dann seid ihr wieder viele.  Und denen erz\u00e4hlst du dann von den anderen, dann geht ihre Geschichte  weiter.&#8220;Der  Junge runzelte die Stirn. &#8222;Was soll ich mit einer Frau? Und welche Frau  will denn einen Mann mit einem Arm? Der kann ja nicht richtig arbeiten.  Ich werde schon froh sein, wenn ich mich selbst irgendwie durchbekomme.  Wer will denn schon einen Arbeiter, der nicht richtig arbeiten kann,  wenn er einhundert gesunde&nbsp; M\u00e4nner bekommen kann?&#8220;&nbsp;(&#8218;Wo  du Recht hast&#8230;&#8216;)&nbsp; &#8222;Sigurd, mach dir keine Sorgen. Erstmal bin ich ja  f\u00fcr dich da, du bist ja nicht allein. Du wirst Zeit genug haben,  herauszufinden, was du gut tun kannst, und das wirst du tun. Das ist  &#8218;dann&#8216;. Mach dir dar\u00fcber jetzt keine Gedanken. Jetzt wirst du erstmal  gesund, ja?&#8220;&#8220;Hei\u00dft das, ich darf bei dir bleiben, wenn ich gesund bin?&#8220;(&#8218;Hab  ich das so gesagt? Was hab ich da gesagt?&#8216;) &nbsp; &#8222;Erstmal sind wir beide  hier, und ich pass auf dich auf. Und sp\u00e4ter sehen wir mal, wie es  weitergeht.&#8220;&#8220;Was  machst du, wenn du nicht gerade dem K\u00f6nig in den Kampf folgst? Hast du  einen Bauernhof, wie wir hatten? Oder kannst du ein Handwerk?&#8220;&#8220;M-m.  Ich war schon vor dem Kampf ein Krieger. Ich habe f\u00fcr unseren Greven in  unserer Stadt f\u00fcr Ordnung gesorgt.&#8220;&nbsp; (&#8218;Aber meine Leute hassen mich und  im Moment w\u00e4re ich froh \u00fcber ein ehrliches Handwerk.&#8216;)&#8220;Ich  kann kein Krieger sein, Olwig. Ich kann nie mehr einen Bogen abfeuern.  Ein J\u00e4ger kann ich auch nicht sein. Und noch viel mehr nicht. &#8211; Erz\u00e4hl&#8216;  mir von dir. Wie hei\u00dft deine Stadt?&#8220;&#8220;Cliving.&#8220;&#8220;Ist das eine gro\u00dfe Stadt?&#8220;&#8220;Ja.&#8220;&#8220;Wieso sagst du dann so wenig dar\u00fcber? Erz\u00e4hl mir von Cliving.&#8220;Olwig  seufzte und gab sich M\u00fche, sich an irgendetwas zu erinnern, das dem  Jungen gefallen k\u00f6nnte. Sein Arm schmerzte, aber er wagte nicht, die  Hand fortzunehmen, aus Angst, da\u00df dann wieder Tr\u00e4nen flie\u00dfen w\u00fcrden.  Sein Rippenkasten schmerzte auch, von dieser gezwungenen Haltung, und  das viele Sprechen fiel ihm auch nicht gerade leicht. Aber es war  besser, leise auf das Kind einzureden, als seinem Wimmern zuzuh\u00f6ren.&nbsp;Er  erz\u00e4hlte ihm gerade von Eldac und den Pferden, als er bemerkte, da\u00df dem  Jungen immer h\u00e4ufiger die Augen zufielen. Kurze Zeit sp\u00e4ter lie\u00df die  Spannung der Hand nach. Sigurd war eingeschlafen.&nbsp;&#8218;Endlich&#8216;,  dachte Olwig, schob die Hand hin\u00fcber und brachte sich in eine  angenehmere Position. Er tr\u00e4umte selbst bald von den Pferden.  Gewissenhaft striegelte er einen gl\u00e4nzenden Schimmel, als jemand seinen  Namen rief. &#8222;Komme gleich&#8220;, sagte er, und striegelte weiter. Das Rufen  h\u00f6rte nicht auf.&nbsp;Er  schlug die Augen auf. Zuerst sah er nichts, weil nur noch eine einzige  Lampe im Zelt nicht herunter gebrannt war. Dann wurde ihm jedoch schnell  klar, da\u00df es ernst um Sigurd stand. Der Junge atmete hastig, weinte und  fragte nach Olwig, halb im Traum. Sein Haar sah dunkel aus und klebte  ihm an der Stirn und als sich Olwig so weit hin\u00fcberlehnte, da\u00df er ihn  ber\u00fchren konnte, merkte er, da\u00df der Junge vor Fieber gl\u00fchte. Die Decke  war fortgerutscht und er sah, da\u00df der Verband der linken Hand blutig  war. Es roch auch nicht gut. Und immer noch niemand, der umherging.  Daher auch die fehlenden Lichter. Die anderen schliefen oder waren mit  sich selbst besch\u00e4ftigt, jedenfalls hatte niemand etwas unternommen.  Olwig fluchte w\u00fcst. Er arbeitete sich etwas hoch, biss die Z\u00e4hne  zusammen, griff zu seinem Krug, arbeitete sich noch weiter hoch und  zielte. Er hatte keine Chance, den Schlafenden zu erwischen, so gern er  das auch getan h\u00e4tte, aber die inzwischen ausgebrannte Lampe daneben gab  ein vortreffliches Ziel ab. Er vergewisserte sich noch einmal, ehe er  warf, er hatte nur den einen Versuch. Zufrieden sah er zu, wie der Krug  einschlug, Scherben in alle Richtungen sprangen, die Lampe kippte, im  Fallen noch andere Dinge mitri\u00df und der elende Ersatz, davon getroffen,  erschreckt hochfuhr. &#8222;Sieh zu, da\u00df du deine Arbeit erledigst!&#8220; schrie er  ihn an, im besten Befehlston. Er mochte kein Handwerk erlernt haben,  aber er verstand sich darauf, Leute herumzukommandieren. &#8222;Schau dir die  Sauerei an! Nichts ist erledigt! Der Junge hier braucht einen Arzt,  sofort!&#8220;&nbsp;&#8222;\u00c4h&#8230;&#8220; Der Mann starrte ihn an. &#8222;Es ist mitten in der Nacht, oder?&#8220;&#8220;Komm  mir nicht so! Mir schei\u00dfegal, wie sp\u00e4t es ist! Du l\u00e4ufst jetzt sofort  los und holst den Arzt, und wenn der l\u00e4nger braucht wartest du nicht auf  ihn sondern kommst sofort wieder her und hilfst hier, verstanden?&#8220;&nbsp;Der Mann starrte ihn immer noch an. Mehrere andere auch, inzwischen.&nbsp;&#8222;Na los! Willst du Wurzeln schlagen? Ab mit dir!&#8220;H\u00e4tte  er aufspringen und ihm eine reinhauen k\u00f6nnen h\u00e4tte er es getan. Endlich  setzte sich der Kerl in Bewegung, sah sich nochmal nach ihm um&#8230;Olwig  warf das Kissen auch noch. Hinterher bereute er es, aber er hatte sich  nicht beherrschen k\u00f6nnen. Da er soundso schon halb aus dem Bett hing  rutschte er ganz heraus und zog sich zu Sigurd hin\u00fcber und versuchte,  ihn zu beruhigen. Ein weiterer Mann war aufgestanden. M\u00fchsam humpelte er  zu ihnen um ihnen etwas Wasser zu bringen. Gemeinsam gelang es ihnen  auch, dem Kind den Becher an die Lippen zu halten, aber Sigurd war so  fiebrig, da\u00df er kaum etwas schlucken konnte.&nbsp; Olwig sah den anderen Mann  hilflos an, doch der seufzte nur.&nbsp;&#8222;Wo  bleiben die so lange?&#8220; Olwig hielt es nur schwer aus. Die Zeit schien  sich ewig auszudehnen, w\u00e4hrend sie warteten. Vielleicht waren es nur  Minuten, aber es h\u00e4tten genausogut Stunden sein k\u00f6nnen. Wenn das Kind  nur nicht so fest daran glauben w\u00fcrde, da\u00df er es schon richten w\u00fcrde.  Das Weinen hatte aufgeh\u00f6rt, kaum, da\u00df Olwig bei ihm gewesen war. &#8218;Ich  kann es aber nicht richten, das kann nur der Arzt, wenn \u00fcberhaupt,&#8216;  dachte er traurig.&nbsp;Endlich,  endlich wurde es laut am Eingang. Ein Mann mit einer Laterne trat ein,  gefolgt von einem weiteren und dem Arzt. Alle drei redeten auf den  elenden Ersatz ein, der ganz zuletzt kam. Dann sahen sie her\u00fcber und  kamen zu ihnen. Einer der M\u00e4nner fluchte ebenso w\u00fcst wie Olwig, die  \u00fcbrigen beiden schauten sehr ernst.&nbsp; &#8222;Wir k\u00fcmmern uns jetzt um ihn&#8220;,  sagte der, der geflucht hatte, freundlich zu Olwig und l\u00f6ste die Hand  des Jungen aus der seinen. Zwei der M\u00e4nner hoben die Pritsche an, um  Sigurd darauf hinauszutragen. Olwig blieb am Boden hocken und sah ihnen  nach. Er bemerkte erst verz\u00f6gert, da\u00df der dritte Mann noch geblieben  war, um ihm selbst auf sein Lager zur\u00fcck zu helfen. Der Humpelnde hatte  den Tr\u00e4gern bereits Platz gemacht und war schon wieder an seinem Bett  angekommen.&#8220;Ihr k\u00f6nnt ihm doch helfen, oder?&#8220; Olwig erkannte seine eigene Stimme kaum.Sein  Helfer hatte inzwischen das Kissen zur\u00fcckgeholt. Er seufzte, als er es  Olwig&nbsp; vorsichtig unter den Kopf schob. &#8222;Wir tun unser Bestes.&#8220;&nbsp;Olwig hasste diesen Satz.Der  elende Ersatz ging nun herum, f\u00fcllte das \u00d6l in den Lampen nach, f\u00fcllte  die Wasserkr\u00fcge, stellte ihm einen neuen hin, sprach aber mit niemandem.  Dann tat er endlich, was er sollte, und wechselte einige Verb\u00e4nde. Um  Olwig machte er einen Bogen, was dem nur recht war. Er h\u00e4tte ihn soundso  nicht an sich herangelassen.Die  ganze Aufregung und Anstrengung hatte jedoch bei ihm ihre Spuren  hinterlassen, so da\u00df er einschlief, obwohl er sich Sorgen machte und  vorgehabt hatte, auf Sigurds R\u00fcckkehr zu warten.Er  wurde erst wieder wach, als jemand seine Verb\u00e4nde wechselte. Beinahe  h\u00e4tte er Gerwald angeschrien, er konnte sich gerade noch bremsen, als er  ihn erkannte. &#8222;Du bist es,&#8220; schnaufte er erleichtert.&nbsp;&#8222;Es  tut mir so leid, Olwig. Ich konnte nicht ahnen, da\u00df sie gerade ihn  schicken w\u00fcrden und das irgendwie alles an dem Tag schief gehen w\u00fcrde.&#8220;Olwigs Kopf ruckte herum. Die Pritsche und Sigurd waren zur\u00fcck.&nbsp;&#8222;Er  wird es schaffen&#8220;, antwortete Gerwald auf seine unausgesprochene Frage.  &#8222;Du hast ihm letzte Nacht das Leben gerettet.&nbsp; Irgendwie hat niemand so  recht weitergegeben, wo er ist und was \u00fcberhaupt mit ihm ist. Er h\u00e4tte  nie so lange unbehandelt hier liegen d\u00fcrfen. Der Arzt kam gerade noch  zur rechten Zeit.&#8220;Aber trotz alledem endete der linke Arm des Jungen, der verbunden auf der Decke lag, nun eine Handl\u00e4nge unter dem Ellenbogen.Olwig schauderte es bei dem Anblick und er presste die Lippen zusammen. &#8222;Er ist noch ein Kind&#8220;, sagte er leise.&#8220;Und er hat Gl\u00fcck gehabt und wird erwachsen werden&#8220;, gab Gerwald zur\u00fcck.&nbsp;&#8222;Du  redest jetzt mit mir, wie ich mit ihm. Machen wir uns doch nichts vor,  es ist Mist. Er wird nie wie andere Jungs in seinem Alter sein.&#8220;Gerwald  lie\u00df sich von seiner positiven Sichtweise nicht abbringen. &#8222;Das  stimmt&#8220;, gab er zu. &#8222;Aber er wird dennoch gute Tage erleben. Es liegt  noch so viel vor ihm.&#8220;(&#8218;Soviel  M\u00fchsal&#8216;), dachte Olwig. &#8222;Es ist nicht gerecht&#8220;, sagte er. &#8222;Ich werde  zwar noch eine Weile brauchen, aber irgendwann bin ich wieder ganz ich  selbst.&nbsp; F\u00fcr ihn hat sich alles ver\u00e4ndert. Das hat er nicht verdient.&#8220;&nbsp;&#8222;Was  soll ich von so einem Satz halten, Olwig? Da\u00df du es weniger als er  verdient hattest, gesund zu werden? So ein Unsinn. Es ist, wie es ist.  Und wir beide werden ihm helfen, damit fertigzuwerden, wie es ist. Und  la\u00df dir gesagt sein, mit Selbstvorw\u00fcrfen und dummen Vergleichen hilfst  du ihm nicht. Die Hand mag ihm fehlen, aber sonst nichts, und schon gar  nicht sein Verstand.&#8220;Olwig sah ihn schr\u00e4g an. Gerwald wu\u00dfte nichts \u00fcber seine Vergangenheit. Er wu\u00dfte nur, da\u00df Aerdan t\u00e4glich nach ihm sah.&nbsp;Aerdan.Was  der wohl dazu zu sagen hatte? Sigurd hatte es so aufgefasst, da\u00df er  sich nun voll auf Olwig verlassen konnte&#8230; aber Olwig w\u00fcrde ihm ohne  Aerdans Hilfe rein gar nichts bieten k\u00f6nnen&#8230;&#8220;Wie hat der Junge reagiert, danach?&#8220; fragte er Gerwald.&#8220;Er ist noch nicht wieder richtig wach geworden.&#8220;&#8220;Das auch noch.&#8220; Zerknirscht sah Olwig hin\u00fcber. Blieb denn alles an ihm h\u00e4ngen?&nbsp;&#8222;Schieb  seine Pritsche heran&#8220;, entschied er. &#8222;So kann ich ihn schlecht  erreichen, aber ich sehe schon kommen, da\u00df das n\u00f6tig sein wird.&#8220;Gerwald l\u00e4chelte . &#8222;Danke, Olwig. Ich hatte gehofft, da\u00df ich mich auf dich verlassen kann.&#8220;&nbsp;&#8222;Schon gut. Wei\u00df ja, wie viel du zu tun hast, und wie wenige ihr seid.&#8220;<br \/>Als  Aerdan kam, war es drau\u00dfen schon dunkel. Gerwald sah von seiner Arbeit  auf und winkte ihn heran, um ihm zu erz\u00e4hlen, was sich seit gestern  ereignet hatte.Olwig  sah auf, als Aerdan sich zu ihm setzte. Er mu\u00dfte sich zwischen Zeltwand  und Lager quetschen, an die Seite mit dem gebrochenen Arm, denn den  Gesunden hatte Olwig um Sigurd gelegt. Der Junge hatte sich neben ihm  zusammengerollt, das Gesicht an seiner Seite vergraben und schlief.&nbsp;&#8222;Sprich leise&#8220;, fl\u00fcsterte Olwig. &#8222;Ich hatte M\u00fche genug, ihn zu beruhigen.&#8220;Aerdan  nickte und sah ihn weiter an, in einer Art, die Olwig irritierte.  &#8222;Warum strahlst du so? Gibt es gute Neuigkeiten vom K\u00f6nig? Haben wir  wider Erwarten gewonnen? Ist die Finsternis fort?&#8220; Dazu mu\u00dfte Aerdan  leider den Kopf sch\u00fctteln, sie hatten seit \u00fcber einer Woche nichts von  den Fortgezogenen geh\u00f6rt.&#8220;Ich  freue mich f\u00fcr den Jungen. Gerwald hat mir erz\u00e4hlt, du h\u00e4ttest ihn  unter deine Fittiche genommen. Und ich freue mich auch f\u00fcr dich, da\u00df du  gelernt hast, dich f\u00fcr jemand anderen einzusetzen. So, wie er liegt,  kann das nicht bequem f\u00fcr dich sein.&#8220;&nbsp;Olwig sah zu Sigurd, der fest schlief, und wurde rot. &#8222;Zuerst wollte ich nur, da\u00df er Ruhe gibt&#8220;, gab er zu.&#8220;Und dann?&#8220;&#8220;Dann  brauchte er jemanden. Er hat niemanden mehr. &#8211; Onkel&#8230; was wird sein,  wenn wir heimkehren? Du hattest angeboten, mich bei dir aufzunehmen&#8230;.  gilt das auch f\u00fcr ihn?&#8220;Aerdan l\u00e4chelte. &#8222;Nat\u00fcrlich gilt das auch f\u00fcr ihn. Das Haus ist gro\u00df genug.&#8220;Olwig  atmete auf, als er das h\u00f6rte. &#8222;Gut. Ich w\u00fc\u00dfte sonst nicht, was ich tun  sollte. Er wird nicht so arbeiten k\u00f6nnen wie andere Jungs. Und wir haben  noch nicht dar\u00fcber gesprochen, was aus mir wird, wenn wir zur\u00fcckgekehrt  sind. Ich wei\u00df auch, warum. Du wolltest sicher das unangenehme Thema  nicht aufbringen, da\u00df ich seit&#8230; seit dem letzten Fehler nicht mehr  dazugeh\u00f6re.&#8220;&nbsp;Aerdan konnte nicht verhindern, da\u00df etwas in seinen Augen ihn verriet.&#8220;Ach  Onkel, ich wei\u00df das doch selbst&#8230; Am liebsten h\u00e4tte ich etwas ganz  anderes begonnen, aber das kann ich nicht, wenn ich f\u00fcr Sigurd sorgen  m\u00f6chte. Ich kann nicht mit irgendetwas von vorn anfangen, ohne zu  wissen, ob es zu etwas f\u00fchrt. Ich bin ein Krieger, etwas anderes habe  ich nicht gelernt. Meinst du nicht doch, es ginge, das ich unseren  Unterhalt weiter in deiner Einheit verdiene? Trotz allem, was war?  Meinst du, deine M\u00e4nner lassen das zu, da\u00df du mir schon wieder eine  Chance gibst?&#8220;Aerdan r\u00e4usperte sich und mochte sich dazu eher nicht \u00e4u\u00dfern.&#8220;Wer ist jetzt dein Waffenmeister?&#8220; fragte Olwig. &#8222;Ich hoffe, Jurlen hat endlich den Posten bekommen, der ihm zusteht.&#8220;&#8220;Jurlen  ist noch nicht wieder auf den Beinen, aber ja, ich hatte ihn daf\u00fcr  vorgesehen. Wenn du jedoch auf einer R\u00fcckkehr bestehst&#8230;&#8220;&#8220;Blo\u00df  nicht!&#8220; rief Olwig aus, merkte, wie laut er geworden war und bi\u00df sich  auf die Lippen. &#8222;Nur das nicht,&#8220; wiederholte er leise. &#8220; Sag nicht, ich  k\u00f6nnte nur zur\u00fcck, wenn ich das elende Amt bekleide. Ich will es nicht,  Onkel Aerdan, nie wieder. Ich m\u00f6chte irgendwo in der Stadt Wache stehen  und mich ansonsten um Sigurd k\u00fcmmern. Ich nehme auch die ungeliebtesten  Schichten und Pl\u00e4tze, wenn ich nur \u00fcberhaupt etwas zu tun habe. Meinst  du nicht, Jurlen k\u00f6nnte mit den anderen reden und sie zum Einlenken  bewegen?&#8220;Aerdan  schnalzte mit der Zungenspitze. &#8222;Er k\u00f6nnte es, wenn er selbst davon  \u00fcberzeugt w\u00e4re. Ich kann und werde es ihm nicht befehlen. Du wirst mit  ihm reden m\u00fcssen.&#8220;Schnaufend  sch\u00fcttelte Olwig den Kopf. &#8222;Er wird mich nicht sehen wollen. Kann er  \u00fcberhaupt zu mir kommen oder ich zu ihm? Wie geht es ihm? &#8222;&#8220;Er  humpelt an Kr\u00fccken, wie ich, nur dass er mit beiden Beinen Probleme  hatte. Er kann noch nicht hierher kommen. Das Gespr\u00e4ch wird warten  m\u00fcssen. Schau nicht so, nat\u00fcrlich werde ich auch zuvor mit ihm reden.  Aber ich kann dir nicht abnehmen, was du selbst mit ihm kl\u00e4ren musst.&#8220;&nbsp;Olwig nickte ungl\u00fccklich und sah wieder zu Sigurd. &#8222;Ich w\u00fcrde ihn gern aus dem Streit heraushalten.&#8220;&#8220;Da  bin ich deiner Meinung. Ich werde versuchen, dir zu helfen, Junge.  Komm, verzage nicht. Wenn Tjoren sehen konnte, dass du dich ge\u00e4ndert  hast, wieso sollte Jurlen es nicht k\u00f6nnen?&#8220;(&#8218;Weil Tjoren anders ist als Jurlen&#8216;), dachte Olwig, sprach es aber nicht aus.&nbsp;Er  bewegte sich vorsichtig, um Sigurds Gewicht anders zu verlagern. &#8222;Hast  du schon etwas gegessen?&#8220; fragte er Aerdan. &#8222;Ich wette, du bist dazu  nicht gekommen, so sp\u00e4t, wie es schon ist. Nimm dir von dem Brot, Onkel,  ich hatte genug. Und nimm es mir bitte nicht \u00fcbel, aber ich bin  ziemlich m\u00fcde&#8230; ich mach&#8216; die Augen zu. Gute Nacht.&#8220;&nbsp;&#8222;Schlaf  gut, Junge&#8220;, sagte Aerdan, nahm sich wirklich eine Scheibe Brot und a\u00df  sie in Ruhe, die beiden neben sich betrachtend. &#8218;Kinder, alle beide&#8216;,  dachte er. &#8218;Immerhin, der \u00c4ltere wird gerade erwachsen&#8230;&#8216; Er l\u00e4chelte.  &#8218;Und das freut mich. Das freut mich wirklich.&#8216;<br \/>Es  war nicht Aerdan, der die Nachricht brachte. Gerwald war vor&#8217;s Zelt  getreten, um etwas frische Luft zu schnappen, als sich drau\u00dfen ein L\u00e4rm  erhob wie von einem frischen Wind und viele Stimmen redeten  durcheinander.Kurze  Zeit sp\u00e4ter wurde die Zeltplane aufgesto\u00dfen. &#8222;Der Krieg ist vorbei!&#8220;  rief Gerwald aus, er lachte und gleichzeitig liefen ihm vor  Erleichterung Tr\u00e4nen \u00fcber die Wangen. &#8222;Die helle Sonne scheint und  \u00fcberall erz\u00e4hlen sich die Leute, das jetzt alles gut wird und die M\u00e4nner  bald heimkehren. Der dunkle Herrscher ist gefallen, sagen sie, und sie  singen in den Strassen!&#8220;Ein  Raunen lief durch das Zelt. Sigurd versuchte, aufzustehen und zu  Gerwald zu laufen, war aber noch nicht so sicher auf den Beinen,  schwankte und mu\u00dfte sich abst\u00fctzen. Gerwald kam zu ihm. &#8222;Olwig, Sigurd!  Die Finsternis&#8230; sie ist fort!&#8220; &#8222;Ich m\u00f6chte es sehen, Gerwald!&#8220; bat  Sigurd. Der z\u00f6gerte nicht lange, legte ihm eine Jacke um, nahm ihn  huckepack und stapfte hinaus.Olwig  sah ihnen nach. Um ihn herum waren lachende Gesichter, drau\u00dfen wurde  gefeiert, aber&#8230; an ihn kam es aus irgendeinem Grunde nicht heran.&nbsp;Er  hatte versucht, f\u00fcr Sigurd stark zu sein und eine Wand um seinen  Schmerz gebaut. Nun schien es ihm, als habe er die Freude mit  ausgesperrt. Er empfand sie nicht so, wie die anderen. &#8218;Was ist blo\u00df los  mit mir?&#8216; \u00fcberlegte er. &#8222;Ich m\u00f6chte mich mit ihnen freuen, aber&#8230; es  geht einfach nicht.&nbsp; Die N\u00e4chte, in denen ich an Chlodhere dachte, waren  schlimm genug. Das brauche ich nicht wieder. Jedoch&#8230; um den Preis,  nicht mit Sigurd lachen zu k\u00f6nnen? Der Krieg ist vor\u00fcber. Es wird eine  Zukunft geben. Was ist blo\u00df los mit mir?&#8217;Er  hing noch seinen Gedanken nach, als Gerwald den Jungen zur\u00fcckbrachte,  der sofort anfing, loszuplappern, was er gesehen hatte. Er strahlte, wie  ihn Olwig noch nie erlebt hatte und Olwig l\u00e4chelte ihn an, aber in ihm  war eine tiefe Traurigkeit, denn auch jetzt, als er ihn in Armen hielt,  gelang es ihm nicht, sich mit ihm zu freuen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie  sich zeigte, brachte die Gewissheit, da\u00df es nun bald nach Hause gehen  w\u00fcrde anstatt in weitere K\u00e4mpfe ihm etliche weitere Probleme. Denn  sp\u00e4testens jetzt mu\u00dfte gekl\u00e4rt werden, ob er weiter unter Aerdan dienen  konnte. Und zuvor hatte sich der Junge noch leidlich mit anderen Dingen  ablenken lassen, jetzt jedoch wollte er alles \u00fcber seine zuk\u00fcnftige  Heimat wissen.&#8220;Olwig?&#8220;&#8220;Hm?&#8220;Sigurd  lag auf dem Bauch, war auf die Ellbogen gest\u00fctzt und hatte das Kinn in  die Rechte gelegt.&nbsp; &#8222;Wieso kommt von deinen Leuten immer nur Aerdan  vorbei? Ich w\u00fcrde die anderen, von denen du erz\u00e4hlt hast, auch gerne  kennen lernen.&#8220;&#8220;Die anderen sind auch verletzt. Oder haben zu viel zu tun&#8220;, antwortete ihm Olwig.&nbsp;&#8222;Aerdan hat auch viel zu tun, aber er kommt trotzdem. Das z\u00e4hlt nicht. &#8222;Olwig  seufzte. &#8218;Die von ihnen, die in Ordnung sind, sind die, die mich  hassen. Und die anderen kannst du vergessen&#8216;, dachte er. &#8222;Es sind nicht  alles meine Freunde, Sigurd.&#8220;Der  Junge blickte ihn d\u00fcster an. &#8222;Irgendwie glaube ich, du willst nicht,  da\u00df ich mit deinen Leuten rede. Damit sie mich nicht sehen. Damit sie  mir nicht sagen k\u00f6nnen, da\u00df es \u00fcberhaupt nirgendwo einen Platz f\u00fcr mich  geben wird.&#8220;&#8220;Zweifelst du an Aerdan? Er hat dir doch schon das Zimmer beschrieben, das du bekommen wirst.&#8220;Sigurd  sch\u00fcttelte energisch den Kopf. &#8222;Das meine ich nicht, und das wei\u00dft du!  Du hast gesagt, Enskar w\u00e4re so geschickt mit Lederarbeiten, er k\u00f6nnte  mir einen Schutz anpassen. Eldac braucht angeblich immer Hilfe bei den  Pferden und Wigbald erz\u00e4hlt gern Geschichten. Utred hat einen kleinen  Bruder in meinem Alter zu Hause, den er vermisst und Bjorne ist so  stark, da\u00df ich auf seinen Schultern stehen und die \u00c4pfel vom Baum  pfl\u00fccken kann w\u00e4hrend er den Korb hochh\u00e4lt.&nbsp; Errold kann alle m\u00f6glichen  Vogelstimmen nachmachen und die Tiere kommen zu ihm. Ich m\u00f6chte so gern  einmal mit ihm in den Wald! Gerichs Bruder hat eine B\u00e4ckerei, vielleicht  kann man Zutaten mischen auch mit einer Hand, und Osrics Vater verziert  Schr\u00e4nke und H\u00e4user mit Malereien. Du erz\u00e4hlst so viel, aber ich habe  noch keinen von ihnen gesehen!&#8220;Olwig seufzte wieder. &#8222;Am besten fragen wir Aerdan, wer von ihnen Zeit haben k\u00f6nnte, ja? Es liegt nicht an dir, wirklich.&#8220;&nbsp;&#8222;Aber  so doll kannst du dich doch gar nicht mit ihnen gestritten haben, da\u00df  sie nicht einmal nach dir sehen! Das sind doch deine Kameraden!&#8220;Aerdan  war hereingekommen und h\u00f6rte den letzten Ausruf. &#8222;Enskar wollte nicht  st\u00f6ren&#8220;, sagte er zu Sigurd, der den Kopf so schnell wandte, da\u00df er ins  Kippen kam. &#8222;Und Utred war verletzt. Aber beide wollen demn\u00e4chst  vorbeikommen und dich kennen lernen, Sigurd. Enskar wohl erst in ein  paar Tagen, er will noch den Arzt abpassen und ihm einige Fragen  stellen. Dein Arm ist noch lange nicht so gut verheilt, da\u00df er daran  etwas machen k\u00f6nnte, aber er m\u00f6chte schon planen k\u00f6nnen.&#8220;&nbsp;Das Gesicht des Jungen hellte sich auf, w\u00e4hrend Olwig schlucken mu\u00dfte. Utred geh\u00f6rte zu seinen sch\u00e4rfsten Kritikern.&#8220;Und  nun lauf, Sigurd. Du wolltest doch wissen, wie man Salbe herstellt.  Gerwald ist nebenan grade dabei und m\u00f6chte es dir zeigen.&#8220; Er half dem  Jungen hoch und legte ihm eine viel zu gro\u00dfe Jacke um. Fr\u00f6hlich machte  Sigurd sich auf den Weg. Es war nicht weit bis in den abgeteilten  Nebenraum, in dem Gerwald arbeitete. Er mu\u00dfte es nur dorthin schaffen,  dann konnte er auf der Bank sitzen und zusehen. Beide M\u00e4nner sahen ihm  nach, dann drehte sich Aerdan zu Olwig.&nbsp;&#8222;Jurlen  lehnt es vollst\u00e4ndig ab, dich zu treffen, tut mir leid. Gestern hat ihn  jemand \u00fcbersehen, die Kr\u00fccke aus der Hand getreten, er ist b\u00f6s  gest\u00fcrzt&#8230; er ist gerade nicht gut auf dich zu sprechen. Vielleicht,  wenn es ihm besser geht.&#8220;&nbsp;Olwig  lie\u00df den Kopf h\u00e4ngen. &#8222;Der Junge fragt st\u00e4ndig nach den M\u00e4nnern. Ich  wu\u00dfte von sonst nichts zu erz\u00e4hlen, darum kennt er sie jetzt alle. Ich  habe es noch nicht fertig gebracht, ihm zu sagen, da\u00df ich daheim ein  Ausgesto\u00dfener bin.&#8220;&#8220;Noch  ist nicht alles verloren, Junge. Jurlen m\u00f6chte dich am liebsten nicht  wiedersehen, aber Utred sagt, dem Kind zuliebe sieht er sich die  Situation mal an. Er wird sich zusammenrei\u00dfen, keine Sorge.&#8220;&#8220;Und Errold?&#8220;Aerdan  seufzte. &#8222;Der schimpft auf dich, wie ein Rohrspatz. Er sagt, du hast  ein verdammtes Gl\u00fcck gehabt, da\u00df dir der Junge \u00fcber den Weg gelaufen  ist. Jetzt hast du wieder wen, hinter dem du dich verstecken kannst. Da  h\u00e4tte ich es endlich aufgegeben, dich ihnen unbedingt auf&#8217;s Auge dr\u00fccken  zu wollen, da findest du flugs jemand anderen, dem zuliebe man dich  eventuell demn\u00e4chst wieder ertragen mu\u00df. &#8211; Tut mir leid, du hast  gefragt.&#8220;Olwig  nickte. &#8222;Sicher. Kann ich mir vorstellen, da\u00df sie so denken. Sie haben  ja auch irgendwie recht damit, nur, ich habe es nicht deswegen getan.  Mit Sigurd Freundschaft geschlossen, meine ich. Das war nicht, um ihn  vorschieben zu k\u00f6nnen.&#8220;&nbsp;Aerdan  legte eine Hand vorsichtig auf seinen verbundenen Arm. &#8222;Ich wei\u00df das,  und die anderen werden es hoffentlich herausfinden.&#8220;<br \/>Sigurd  war noch nicht zur\u00fcck und Olwig hatte nach Aerdans Besuch ein wenig  geschlafen, als Utred hereinkam und sich suchend umsah. Errold folgte  ihm, sah Olwig zuerst und zog seinen st\u00e4mmigeren Kameraden mit sich. Mit  verschr\u00e4nkten Armen und schmalen Lippen baute er sich neben dem Bett  auf. &#8222;Was du da vorhast, ist Schwachsinn&#8220;, sagte er ohne weitere  Einleitung. &#8222;Du bist nicht in der Lage, f\u00fcr dich selbst zu sorgen,  geschweige denn, ein Kind zu erziehen. Schlag dir das aus dem Kopf,  Olwig!&#8220;Utred  nickte bekr\u00e4ftigend. &#8222;Du stellst dir das einfacher vor, als es ist. Du  kennst nur deine s\u00fc\u00dfen kleinen Schwestern, glaub ja nicht, da\u00df das so  einfach wird. Er ist nicht dein Kind oder dein Bruder und er hat  Schlimmes erlebt. Du bist mal wirklich kein Geschenk f\u00fcr so einen armen  Burschen. \u00dcberla\u00df ihn anderen Leuten, Olwig, die sich besser damit  auskennen, wenn du wirklich etwas Gutes f\u00fcr ihn erreichen willst. &#8220;&nbsp;Olwig  sah von einem zum anderen und knirschte mit den Z\u00e4hnen. Wenn er in  Cliving keine Anstellung fand w\u00e4re Sigurd woanders vielleicht wirklich  besser aufgehoben.&nbsp; &#8222;Welchen anderen Leuten, Utred? Wen kennen wir denn  hier schon?&#8220;&#8220;Oh  bitte, der Krieg hat viele zu Waisen gemacht. Wenn man in der Stadt  herumfragt wird man schon jemanden finden, der sich um sie k\u00fcmmert.&#8220;Das  \u00fcberzeugte Olwig nicht. &#8222;Was ihr gesagt habt ist sicher wahr, es gibt  sicher geeignetere Leute als mich, das will ich nicht abstreiten. Aber  denen vertraut Sigurd nicht. Ich k\u00f6nnte es ihm niemals antun, ihn  fortzuschicken.&#8220;Errold  schnaufte ver\u00e4chtlich. &#8222;Du kennst ihn erst ein paar Tage. Je schneller  ihr euch trennt, desto besser. Der gew\u00f6hnt sich auch an wen anderes,  wenn du fort bist. Wir werden Aerdan bitten, dich schnellstm\u00f6glich in  unser Lazarett verlegen zu lassen. Ohne das Kind. &#8211; Nein, Olwig!&#8220;  unterbrach er dessen Protest. &#8222;Es hat keinen Sinn, es \u00fcberhaupt erst zu  versuchen. Du schadest ihm mehr, als dass du ihm hilfst, wenn du ihn  l\u00e4nger in dem Glauben l\u00e4sst, er h\u00e4tte eine Zukunft bei dir!&#8220;Olwig ballte die F\u00e4uste, denn Wut half gegen Verzweiflung. &#8222;Ich habe ihm mein Wort gegeben!&#8220; zischte er.Utred begann, zu lachen. &#8222;Was ist dein Wort schon&#8230;&#8220; &nbsp; &#8222;Olwig?!&#8220;&nbsp; &nbsp;Gerwalds  Ruf unterbrach ihn und lie\u00df alle drei M\u00e4nner in dessen Richtung  blicken. Mit Sigurd im Arm bahnte sich der Heiler einen Weg zu ihnen und  schob sich mit entschuldigendem Blick an den G\u00e4sten vorbei, die ihm  Platz machen mu\u00dften. Der Junge schluchzte unkontrolliert. Olwig r\u00e4umte  die Decken beiseite und streckte den Arm so aus, da\u00df Gerwald das Kind  gut dort platzieren konnte. &#8222;Es tut mir leid, ich kann ihn nicht so  beruhigen, wie du, Olwig. &#8220; Als der ihn hielt, lie\u00df das Schluchzen  bereits nach. Gerwald legte die Decken um sie beide.&nbsp; &#8222;Shhh. Alles gut.&#8220;  Olwig schien Errold und Utreds Anwesenheit v\u00f6llig vergessen zu haben.  Er redete leise auf Sigurd ein. Erst nach einer geraumen Weile, als der  Junge ruhiger atmete, sah er wieder zu Gerwald auf. &#8222;Was ist passiert?&#8220;&nbsp;  Gerwald war hochrot im Gesicht. &#8222;Ich habe nicht Acht gegeben. Der Arzt  hat mir einen Botenjungen r\u00fcbergeschickt, ein paar Tiegel holen. Ich  gehe zum Regal und da h\u00f6re ich nur hinter mir: &#8218;Was denn, haben wir echt  sowenig Leute, da\u00df jetzt schon die Kr\u00fcppel mithelfen m\u00fcssen?&#8216; Sigurd  hatte f\u00fcr mich die Salbe weiterger\u00fchrt, die durfte nicht anh\u00e4ngen und  klumpen. Ich bin rumgefahren und hab dem Scheusal eine gelangt, ehe ich  ihn mit den Tiegeln rausgejagt habe, aber da war der Schaden schon  angerichtet.&#8220;&#8220;Oh bitte, nein.&#8220;&#8220;Es tut mir schrecklich leid. Ich werde ihm jetzt erst einmal einen Tee zur Beruhigung ansetzen.&#8220;Olwig  nickte nur und strich dann Sigurd \u00fcber den Kopf ehe er zu Utred aufsah.  &#8222;Vielleicht geht ihr besser. Mit eurem Ansinnen sto\u00dft ihr bei mir heute  auf taube Ohren.&#8220;Die zwei sahen sich und dann ihn an und wirkten unschl\u00fcssig.&nbsp;&#8222;Geht, das Letzte, was er jetzt braucht, sind noch mehr Fremde.&#8220;Zu  ihrer aller \u00dcberraschung drehte Sigurd daraufhin den Kopf und sah die  beiden aus rotgeweinten Augen an. &#8222;Sind das deine Kameraden, Olwig? Dann  sind&#8217;s doch keine Fremden, dann m\u00f6chte ich sie endlich kennenlernen.&#8220;Er  schniefte allerdings noch und wich ihnen trotz seiner Worte aus, so da\u00df  er voll gegen Olwig lehnte und sie aus dieser sicheren Position heraus  betrachten konnte.&nbsp; &#8222;Ich bin Sigurd&#8220;, sagte er und sah sie abwartend  an.&nbsp;Utred  holte einmal tief Luft, stellte sich und Errold vor und setzte sich  dann zu den beiden auf&nbsp; das Lager. H\u00e4tte er weiter zur\u00fcckweichen k\u00f6nnen  h\u00e4tte Sigurd es getan.&nbsp;&#8222;Gerwald  sagt, es ist nicht Recht, wie der Junge mich gerufen hat. Das w\u00fcrde bei  euch doch bestimmt keiner tun, nicht wahr?&#8220; fragte er \u00e4ngstlich. &#8222;Ihr  seid doch Olwigs Kameraden, ihr w\u00fcrdet mich genauso besch\u00fctzen, wie er,  richtig?&#8220;&nbsp;Utred  fand es ausgesprochen schwer, seinem Blick standzuhalten. Er fand keine  Worte. Errold fing sich schneller als er. &#8222;Ich hoffe doch, die meisten  von uns wissen, was sich geh\u00f6rt&#8220;, sagte er. &#8222;Wenn du unseren Schutz  brauchen solltest, bekommst du ihn auch. Aber&#8230; meinst du nicht, du  nimmst dir das zu sehr zu Herzen? Was wei\u00df der Bursche schon, er kennt  dich doch nicht.&#8220;&#8220;Er  hat Augen im Kopf, Errold. Und er wei\u00df, da\u00df er&#8217;s sich erlauben kann,  \u00fcber mich zu l\u00e4stern. Er ist ja st\u00e4rker.&#8220; Wieder barg er den Kopf an  Olwigs Schulter. &#8222;Shhh&#8220;, machte der. &#8222;Wenn du erst wieder ganz gesund  bist, dann k\u00fcmmerst du dich gar nicht mehr um solche Kerle. Wenn er das  braucht, um sich besser zu f\u00fchlen, kann dir seine Meinung wirklich egal  sein.&#8220;&nbsp;&#8222;Tut trotzdem weh&#8220;, murmelte es an seiner Schulter.Utred hatte zwar immer noch keine Worte, wagte es jetzt aber, dem Jungen die Hand auf den Arm zu legen. &#8222;Hey&#8220;, machte er nur.&nbsp;&#8222;Hey&#8220;, schniefte Sigurd in Olwigs Schulter.&nbsp;&#8222;Ach,  komm her, du,&#8220; brummte Utred gutm\u00fctig. &#8220; Dreh dich noch einmal zu uns  um und la\u00df dir ins Gesicht sehen. Wie sollen wir denn Freunde werden,  wenn wir nur deinen Hinterkopf kennenlernen d\u00fcrfen?&#8220;Sigurd  schluckte, dann nickte er tapfer und drehte sich um. Als er Utred  freundlich l\u00e4cheln sah, entschied er sich spontan, ihn zu umarmen. Utred  war ja kein Fremder. Olwig hatte ihm wieder und wieder von ihm erz\u00e4hlt,  bis Sigurd das Gef\u00fchl gehabt hatte, den Mann gut zu kennen.&nbsp;Utred  hingegen kannte Sigurd \u00fcberhaupt noch nicht und war vollst\u00e4ndig  \u00fcberrumpelt, als das Kind die Arme um ihn schlang. &#8222;Du bist genauso  nett, wie Olwig immer gesagt hat.&#8220;&nbsp;&#8222;Ehm&#8230;&#8220; Utred fehlten wieder die Worte.Gerwald  kam jetzt mit dem Tee. &#8222;Da bin ich aber erleichtert&#8220;, sagte er, als er  Sigurd so sah, und nickte Errold und Utred herzlich zu ehe er sich einem  anderen Patienten zuwendete. &nbsp;Die  ganze Aufregung hatte den Jungen ersch\u00f6pft. Er wurde bald schl\u00e4frig,  nachdem er den Tee getrunken hatte. &#8222;Wir gehen dann wieder&#8220;, sagte  Errold.&nbsp; Sigurd sah zu ihm hoch: &#8222;Olwig hat mir davon erz\u00e4hlt, wie du  mal deiner alten Lieblingsamsel das Revier verteidigt hast, indem du ihn  nachgeahmt hast als ein Nebenbuhler auftauchte.&#8220; &#8222;Davon wi\u00dft ihr?&#8220;  fragte Errold verbl\u00fcfft. Sigurd mu\u00dfte lachen. &#8222;Oder der verregnete  Sommer, als du die drei Eulenkinder aufgezogen hast, die dich dann f\u00fcr  ihre Mama hielten und dir hinterhergestolpert sind. &#8211; Ich mag dich,  Errold. Nimmst du mich mal mit in den Wald und zeigst mir die V\u00f6gel,  wenn wir zu Hause sind?&#8220;&nbsp;&#8222;Ehm&#8230;&#8220; Errold hatte nicht erwartet, da\u00df es ihm so ergehen w\u00fcrde, wie Utred.&#8220;Ich&#8230;  bin auch ganz leise&#8220;, sagte Sigurd, nun kleinlaut, da Errold nicht  gleich antwortete.&nbsp; &#8222;Man braucht keine zwei H\u00e4nde, um sie zu sehen, ich  will sie ja nicht schie\u00dfen.&#8220;Errold  sch\u00fcttelte den Kopf, als ihm klar wurde, wie der Junge sein Z\u00f6gern  auslegte. &#8222;Das habe ich nicht gemeint, darum mach dir keine Sorgen.  Nat\u00fcrlich kann ich dich zu den Tieren bringen.&#8220;&nbsp;Sigurd lehnte sich zufrieden an Olwig an. &#8222;Ich freu mich drauf,&#8220; murmelte er, w\u00e4hrend ihm die Augen schon zufielen.&nbsp;Beide M\u00e4nner machten sich zum Aufbruch bereit und Olwig musterte sie unsicher.&#8220;Wir  sollen dir noch ausrichten, die n\u00e4chsten paar Tage wird es der Captain  nicht schaffen, dich zu besuchen,&#8220; sagte Utred leise, ehe sie gingen.  &#8222;Der K\u00f6nig schl\u00e4gt dort oben Lager auf und Aerdan mu\u00df Transporte dorthin  organisieren.&#8220;<br \/>Sigurd  ging es von Tag zu Tag besser. Er hatte begonnen, Gerwald zur Hand zu  gehen, ihm Kleinigkeiten anzureichen oder seinen Patienten Gesellschaft  zu leisten. Abends war er dann aber immer noch so ersch\u00f6pft, da\u00df er  sofort nach dem Essen einschlief. Durchschlafen konnte er leider immer  noch nur an Olwigs Seite. Das eine Mal, da\u00df er in Gerwalds Nebenraum  eingeschlafen war, war er sp\u00e4ter hochgeschreckt und untr\u00f6stlich gewesen,  als Olwig nicht bei ihm war. Gerwald meinte, es k\u00e4me von dem Schock,  den er erlitten hatte, und es w\u00fcrde sich mit der Zeit wohl geben.&#8220;Gut,  da\u00df er dich hat&#8220;, hatte Gerwald gesagt. &#8218;Gut, da\u00df ich ihn habe&#8216;, hatte  Olwig gedacht. Sigurd schlief jetzt und Olwig weinte still, um ihn nicht  zu st\u00f6ren. Aerdan war wirklich nicht gekommen und das hatte ihm  deutlich gemacht, wie sehr er die Gesellschaft&nbsp; des Jungen brauchte.  Wenn Aerdan nicht kam, kam niemand sonst. Das wu\u00dfte und verstand er ja.  Aber er hatte begonnen, alles Gute zu erinnern, was er \u00fcber die M\u00e4nner  wu\u00dfte. Und nur das, ohne die schlechten Seiten, um t\u00e4glich die Neugier  des Kindes befriedigen zu k\u00f6nnen.Sigurd  mochte Errold und die anderen, und Olwig war klargeworden, was er all  die Jahre vers\u00e4umt hatte. Schlimmer noch, durch die Augen des Jungen  hatte er sie selbst nun gern und gerade im Augenblick vermisste er etwas  schrecklich, da\u00df es so nie gegeben hatte. Er w\u00fcnschte so sehr, es k\u00e4me  doch au\u00dfer Aerdan jemand um seinetwillen hierher um nach ihm zu sehen.  Ihm war aber auch klar, da\u00df von ihnen umgekehrt nicht ein einziger gute  Erinnerungen an ihn hatte und da\u00df nicht geschehen w\u00fcrde, was er sich  w\u00fcnschte.&nbsp;Der  Stoff an seiner Wange f\u00fchlte sich inzwischen unangenehm an und er wandte den  Kopf, schlo\u00df die Augen und presste die Stirn tiefer ins Kissen. &#8218;Du  weinst um etwas, das es nie gab, und du hast kein Recht, es zu erwarten,  also h\u00f6r auf damit,&#8216; sagte er sich. <\/p>\n\n\n\n<p>Errold  stand unschl\u00fcssig am Lager. Es war sp\u00e4t geworden, ehe er sich  entschlossen hatte, herzukommen. Gerwald hatte ihn schweigend  durchgewinkt.Zuerst  hatte er geglaubt, da\u00df beide schliefen, und wollte schon wieder gehen.  Dann aber hatte er begriffen, wie es Olwig erging und nun nagte er  betroffen an seiner Unterlippe und war sich nicht sicher, ob er ihn  ansprechen sollte, oder ob es nicht gerade in dieser Situation besser  war, sich leise zur\u00fcckzuziehen.Sein  Mitleid gewann die Oberhand. Er zog sich einen Hocker heran. &#8222;Olwig&#8220;,  sagte er leise und legte ihm sanft eine Hand auf die Schulter. &#8222;Hast du  Schmerzen? Soll ich jemanden holen?&#8220;Ein  langer Seufzer und dann ein leichtes Kopfsch\u00fctteln. &#8222;Errold?&#8220; Die  gefl\u00fcsterte Frage war kaum zu verstehen. &#8222;Warum bist du&#8230; schickt dich  Jurlen?&#8220; &#8222;Nein. Ich wollte mit dir reden.&#8220;      Das  konnte alles hei\u00dfen, bis hin zu: wir sind entschlossen, dich nicht  zur\u00fcckzunehmen, und der Junge ist uns egal. Der Tonfall passte aber  nicht dazu. Errolds Stimme hatte warm und freundlich geklungen, auch ein  wenig besorgt, und das \u00fcberraschte Olwig so, da\u00df er nun doch den Kopf  hob und ihn ansah.&nbsp; &#8222;Wenn es dir gerade nicht gut geht, komme ich lieber  morgen wieder&#8220;, schlug Errold vor. Olwig blinzelte und atmete durch.  &#8222;Bitte, bleib noch.&#8220;  &#8222;Gut, wenn du meinst. Und du bist sicher, da\u00df ich nicht jemanden holen soll?&#8220;&nbsp;Wieder  ein Kopfsch\u00fctteln. Und er schlug die Augen nieder. &#8222;Die Zeit wird lang  wenn man nur hier liegt und sich die Gedanken im Kreis drehen&#8220;, sagte er  traurig. &#8222;Ich erz\u00e4hle dem Jungen immer von euch, wenn er wach ist. Und  wenn er dann schl\u00e4ft, kann ich nicht aufh\u00f6ren, an euch zu denken. &#8211; Mir  tut so vieles leid, Errold.&#8220; &#8222;Das  dachte ich mir schon&#8220;, entgegnete Errold sanft.&nbsp; &#8222;Vor vielen Jahren  habe ich Chlodhere mal gesagt, er m\u00fcsse nicht glauben, seine  Familienehre zu verletzen, wenn er dich angemessen zurechtstutzt und er  k\u00f6nne dir ruhig mal die Meinung geigen. Er hat mich angestarrt. &#8222;Du  glaubst ich lass ihn gew\u00e4hren, weil er mein Cousin ist?&#8220; hat er mich  \u00fcberrascht gefragt. &#8222;Nein, Errold. Ich lass ihn gew\u00e4hren, weil er seine  eigenen Erfahrungen machen mu\u00df. Mit ihm zu reden wird nichts bringen.&#8220;  &#8222;Aber was erhoffst du dir denn?&#8220; wollte ich wissen. Er hat geseufzt.  &#8222;Da\u00df er aufwacht. Ich kannte ihn schon als er noch ein Kind war. Es ist  etwas Gutes in ihm, immer noch, davon bin ich \u00fcberzeugt. Und Aerdan  denkt genauso.&#8220; Damals war ich nicht \u00fcberzeugt. Aber&#8230; wie wir vor ein  paar Tagen hier waren&#8230; wir gehen raus, Utred und ich, und sehen uns  an, und&#8230; Na, jedenfalls ist Utred dann zu Jurlen und hat ihm gesagt,  da\u00df der Junge auf jeden Fall bleibt, und du besser auch, weil Sigurd es  nie verstehen w\u00fcrde, wenn wir nett zu ihm sind aber nicht zu dir. Jurlen  ist wohl ein wenig ausgerastet. Wir haben ihm etwas Zeit gelassen. Ich  bin dann heute hin und hab ihm das erz\u00e4hlt, was Chlodhere damals gesagt  hat und da\u00df ich glaube, du bist jetzt endlich aufgewacht. Jurlen war  stocksauer. &#8222;Chlodhere mu\u00dfte sterben, damit er endlich aufwacht!&#8220; hat er  gerufen. &#8222;Und er w\u00e4re ganz sch\u00f6n w\u00fctend auf uns, wenn wir wegwerfen,  wof\u00fcr er sich solche M\u00fche gegeben hat&#8220;, habe ich dagegengehalten. &#8222;Er  hat bis zuletzt um ihn gek\u00e4mpft. Ich gebe zu, ich bin nicht sicher, ob  es gereicht h\u00e4tte, wenn er nicht dem Jungen begegnet w\u00e4re, aber Sigurd  l\u00e4sst uns ohnehin kaum eine Wahl. H\u00f6r auf uns, gib Olwig eine Chance.&#8220;  Errold machte eine kurze Pause und sch\u00fcttelte den Kopf. &#8222;Ich dachte,  Jurlens Augen fallen raus. Aber dann hat er sich beherrscht.&nbsp;&#8222;Denk  an Aerdan. Er \u00fcberl\u00e4sst uns die Entscheidung, ja, aber es w\u00fcrde ihm  ganz sch\u00f6n wehtun, wenn wir Olwig jetzt aussto\u00dfen,&#8220; sagte Enskar. Ich  bin ordentlich zusammengezuckt, ich hatte ihn noch gar nicht dort  bemerkt. Jurlen schnaufte. &#8222;Enskar liegt mir auch schon in den Ohren,  seit er mit dem Arzt gesprochen hat. &#8211; Gut, ihr sollt euren Willen  haben&#8220;, hat er gesagt. &#8211; Das wollte ich dir eigentlich nur sagen, Olwig,  da\u00df du dir keine Gedanken zu machen brauchst, du kannst wieder zu uns sto\u00dfen und der Junge erf\u00e4hrt&#8217;s zumindest nicht von uns, was war. Und ein paar von uns sind sogar ganz zufrieden damit.&#8220;  Olwig  zitterte und sah Errold aus gro\u00dfen Augen an. &#8222;Vielleicht&#8220;, sagte der  jetzt, &#8222;h\u00e4tte ich dir das anders sagen sollen&#8230; sei&#8217;s drum, lass uns so  tun, als sei der Olwig, den ich nicht ausstehen konnte, auf dem  Pelennor geblieben. Der, der zur\u00fcckgekommen ist, den kenne ich noch  kaum, w\u00fcrde ihn aber gern besser kennenlernen. Was meinst du?&#8220; &#8222;Ich  meine&#8220;, sagte Olwig leise,&#8220; da\u00df man das leider nicht trennen kann. Es  gibt keine zwei von mir, und auch wenn ich mich \u00e4ndern m\u00f6chte: Ich  bleibe ich, ich behalte alle meine Erinnerungen und meine Taten sind  auch nicht ausgel\u00f6scht. Du solltest mir deine Freundschaft nicht  anbieten, wenn du damit nicht zurechtkommst. Der alte Olwig ist nicht  tot, mit dem mu\u00df ich leben.&#8220; Errold seufzte und nickte dann. &#8222;Verstehe.  Ist sicher nicht einfach. Lass mich dir  helfen, Olwig. Komm, gib mir die Hand drauf: von jetzt an versuchen wir,  es besser zu machen.&#8220;  Da  er Sigurd im gesunden Arm hielt, blickte Olwig auf seine Rechte, die  bis eben in die Decken verkrampft gewesen war, \u00f6ffnete sie zu Errold hin  und sah ihn immer noch ungl\u00e4ubig an, auch noch, als Errold die Hand  genommen und seine zweite darum geschlossen hatte. Etwas Seltsames  geschah. Von den H\u00e4nden breitete sich eine angenehme W\u00e4rme in seinem  ganzen K\u00f6rper aus. Er war froh. Freude, er konnte wieder Freude empfinden! Er lachte  und seine Augen leuchteten. &#8222;Errold, danke.&#8220;&nbsp;&#8222;Nichts zu danken.&#8220;&#8220;Doch,  oh doch. Jetzt&#8230;&nbsp; ist der Krieg erst wirklich f\u00fcr mich vorbei&#8230; ich  hing irgendwie&#8230; bis eben noch darin fest. Danke, da\u00df du an mich  gedacht hast. Danke, da\u00df du hergekommen bist. Danke, danke, danke! F\u00fcr  alles.&#8220;<br \/>Errold  verlie\u00df das Zelt erst sehr viel sp\u00e4ter, nachdem sie geredet hatten und  nachdem Olwig endlich friedlich und ruhig geschlafen hatte und nachdem  Errold still dabeigesessen und \u00fcber alles noch lange nachgedacht hatte.<br \/>Aerdan,  als Jurlen ihn darauf ansprach, was sie beschlossen hatten, war sehr  stolz auf seine M\u00e4nner. Er konnte sich also doch darauf verlassen, da\u00df  sie schon das Richtige tun w\u00fcrden. Gut und immer besser!<br \/>Sigurd  freute sich, da\u00df Errold und Utred und dann auch Enskar, Svanten und  Bjorne in den n\u00e4chsten Tagen immer mal wieder vorbeikamen. Seit er kein  Fieber mehr hatte und der Arm und die \u00fcbrigen kleineren Verletzungen  verheilten ging es ihm inzwischen besser als Olwig, dessen viele  gebrochene Knochen und innere Verletzungen problematischer gewesen waren  und der sich immer noch nicht wieder auf den Beinen halten konnte.  Gerwald hatte gerade erst begonnen, das Aufstehen mit ihm zu \u00fcben.Es  kam nur noch gelegentlich vor, da\u00df Sigurd sich weinend zu Olwig  fl\u00fcchtete, weil etwas mit der Hand nicht so ging, wie er sich das  vorgestellt hatte. Nicht nur Olwig, auch die anderen bekr\u00e4ftigten ihn  immer wieder darin, nicht aufzugeben, wenn etwas nicht gleich klappte.  Enskar hatte inzwischen einen Schutz gebastelt, der zudem die  M\u00f6glichkeit bot, etwas daran zu befestigen oder einzuhaken. Osric war  nur einmal dagewesen, um die Ma\u00dfe des Jungen zu nehmen. Sigurd trug noch  immer das Hemd, das man ihm nach der Operation angezogen hatte und das  er mit einem Seil zusammenhielt. Dar\u00fcber zog er, wenn er im Zelt  unterwegs war, die alte Jacke, die jemand nicht mehr ben\u00f6tigt hatte.  Seine Hose war noch immer die, die er auf dem Pelennor getragen hatte,  und die Hosenbeine waren zerrissen. Seine Socken und Schuhe&#8230;  indiskutabel. Bisher hatte er sie nicht so ben\u00f6tigt, aber nun&#8230; Enskar  arbeitete gerade ein Paar Stiefel f\u00fcr ihn um, w\u00e4hrend Osric es  \u00fcbernommen hatte, Kleidung anzupassen. Es war erst Anfang April und oft  noch bitterkalt und nass. Sie konnten ihn unm\u00f6glich so wie er war  ausserhalb des Zeltes herumlaufen lassen, und das war aber genau, was er  sich w\u00fcnschte. Er w\u00fcnschte, zu ihnen in ihr Lager zu gehen, die anderen  und besonders Eldac und die Pferde zu sehen, und sie gaben sich alle  M\u00fche, seinem Wunsch zu entsprechen.<\/p>\n\n\n\n<p><br \/>Etwas sp\u00e4ter:&#8220;Sei  nicht traurig, Junge. Ildin ist ein wildes Ro\u00df, seit er seinen Herrn  auf dem Pelennor verloren hat. Er bei\u00dft auch nach mir.&#8220;  Eldac krempelte  den \u00c4rmel seines Helfers wieder herunter, nachdem er sich \u00fcberzeugt  hatte, da\u00df der Angriff des Hengstes glimpflich ausgegangen war. &#8222;Wir  m\u00fcssen sein Vertrauen wiedergewinnen. Ich arbeite dran, es war schon  schlimmer. Du mu\u00dft ihn gut im Auge behalten und reagieren, ehe er die  Geduld verliert. Striegele ihn oder f\u00fcttere ihn, solange er es duldet  und dann ganz schnell zur\u00fcckziehen, wenn sein Gesichtsausdruck sich  \u00e4ndert. &#8211; Er ist aber auch eigentlich nicht deine Aufgabe, Sigurd. Ich  k\u00fcmmere mich um ihn. Striegele du die beiden F\u00fcchse dort dr\u00fcben und geh  ihm aus dem Weg.&#8220; Sigurd lie\u00df den Kopf h\u00e4ngen und machte keine  Anstalten, zur B\u00fcrste zu greifen. &#8222;Ich wei\u00df nicht. Vielleicht sollte ich  es besser lassen. Es wird soundso nie ein Pferdeknecht aus mir. Ich  kann keine Mistgabel halten. Zumindest nicht mit Mist dran. Und beim  Satteln habe ich dir schon zweimal das Leder verzogen, als mir die  runtergekracht sind, ich kann die schlecht heben. Und bis ich mal die  Schlie\u00dfen zu habe bei\u00dfen die Pferde mich ungeduldig. Du kannst das alles  viel besser!&#8220;Er  runzelte die Stirn und guckte b\u00f6se, als Eldac lachte. Daraufhin lachte  der noch mehr. &#8222;Du siehst durchaus, wie grau mein Bart ist, oder?  Glaubst du, ich schleppe noch den ganzen Mist allein? Daf\u00fcr haben wir  Leute. Und das \u00fcbrige&#8230; Es braucht Zeit, Junge, bis man einiges so kann  wie ich. Ildin hat dich gebissen, ja, aber den h\u00e4ttest du auch noch gar  nicht zu satteln versuchen sollen. Ich habe bald eine Herzattacke  bekommen, als ich es gesehen habe. Es grenzt schon an ein Wunder, da\u00df du  ihn \u00fcberhaupt aufgehalftert und angebunden bekommen hast. Wie hast du  das angestellt?&#8220;&nbsp;Sigurd  schmollte noch immer. &#8222;Wie schon. Mit Tricks, geht ja nicht anders. Ich  hab ihm einen Apfel hingehalten, da\u00df er kommt. Dann hab ich das Halfter  \u00fcber einen Futtereimer mit etwas Hafer drin gehalten, da\u00df er von selbst  durchschl\u00fcpft. Und als der Kopf unten war brauchte ich nur eine Hand um  es zu schlie\u00dfen, da stand er ja still. Anbinden ging auch noch, folgen  tut er ja. Aber angebunden stehenbleiben, das wollte er gar nicht.&#8220;  Jetzt blinzelte er \u00e4rgerlich Tr\u00e4nen fort. &#8222;Ich kann ihn nicht halten  wenn er nicht will, da fehlt die Hand! &#8211; Lass das!&#8220; rief er, als Eldac  wieder lachte. &#8222;Da fehlt auch die Kraft,&#8220; sagte Eldac. &#8220; Und einem  ausgewachsenen Mann w\u00fcrde es genauso gehen, wie dir. Man kann ein Pferd  nicht halten, wenn es wirklich nicht will, das solltest du doch wissen.  Du machst das schon ganz richtig mit Ildin. Das, was du Tricks nennst,  brauchst du, um sie auszubilden. Du brauchst Ideen und Mut, beides hast  du. Du kennst dich mit Kr\u00e4utern aus, weil Gerwald sie dir gezeigt hat,  und warst mir eine gro\u00dfe Hilfe, als wir der Stute vorhin den Aufguss  gemacht haben. Hattest du Probleme, einen Eimer zu f\u00fcllen und  herzutragen? Oder darauf zu warten, da\u00df sie dir ihren Huf gibt, da\u00df du  ihn hineinstellen kannst? Nein.&nbsp; Du bist viel zu schade zum Mist  schaufeln, Sigurd. Lass das andere tun, \u00fcberlass den Hufbeschlag dem  Schmied, vergiss das. Sie bei\u00dfen dich und werden ungeduldig, was f\u00fcr ein  Bl\u00f6dsinn! Au\u00dfer Ildin waren sie alle sanft und f\u00fcgsam bei dir. Sie  kommen zu dir. Du kannst viel mehr von mir lernen als Ausmisten, lass  dir das gesagt sein. Und nun mach dich an die F\u00fcchse, sonst werde <strong>ich<\/strong> ungeduldig.&#8220;Der  Abend kam fr\u00fch und mit Nebel, dessen Schwaden zwischen den Zelten  hindurchzogen. Eldac ging eine letzte Runde, um sich zu vergewissern,  da\u00df alle Tiere an ihrem Platz waren und zog hier und da noch einen  langen Halm Stroh aus&nbsp; der einen oder anderen M\u00e4hne.&nbsp;&#8222;Sigurd?&#8220;  Beinahe w\u00e4re er an ihm vorbeigegangen, so still hockte der Junge auf  einigen Kisten neben einem Wagen. &#8222;Wolltest du nicht l\u00e4ngst auf dem  R\u00fcckweg zu Olwig sein?&#8220;&nbsp;&#8222;M-hm.&#8220;&#8220;Was machst du dann noch hier?Er  deutete mit dem Kopf auf die Pferde. &#8222;Ich sehe ihnen zu. Ich h\u00f6re zu,  wie sie fressen. Das klingt wie daheim, beinahe. Aber wir hatten K\u00fche.&#8220;Eldac setzte sich zu ihm. &#8222;Du vermisst deine Leute.&#8220;&#8220;Immer&#8220;,  gab Sigurd zu. &#8222;Es gibt euch alle jetzt, zum Gl\u00fcck. Das ist gut. Aber  manchmal, wenn es still wird, denke ich an fr\u00fcher. Wir hatten zwei  Pferde und viele K\u00fche.&#8220;&#8220;Soll ich dich zu Elfhelm&#8217;s Lager begleiten?&#8220;&#8220;W\u00fcrdest du? Du bist sonst nicht hingegangen, du warst immer hier.&#8220;&#8220;Ich  habe gerade etwas Zeit. Komm.&#8220; Er wartete, bis der Junge sich  aufgerappelt hatte und neben ihm stand. Gemeinsam schlugen sie den Weg  zu Gerwalds Zelt ein. &#8222;Heute war es sch\u00f6n bei dir&#8220;, sagte Sigurd. &#8222;Es  ist immer sch\u00f6n bei euch, aber heute war es besonders gut.&#8220;&nbsp;&#8222;Und dabei dachte ich schon, heute h\u00e4tte ich dich verloren. Wegen Ildin.&#8220;&#8220;Ich  mag Ildin. &#8211; Eldac, wie ernst hast du das gemeint, da\u00df du mir etwas  beibringen kannst? Ich brauche doppelt solange wie andere, ein Pferd zu  versorgen. Meinst du, ich k\u00f6nnte trotzdem mit ihnen arbeiten, sp\u00e4ter?  Ich w\u00fcrde so gerne.&#8220;&#8220;Meinst <strong>du<\/strong> denn, da\u00df du es kannst?&#8220;&#8220;Als  ich den Sattel f\u00fcr Ildin geholt habe, war ich mir noch ganz sicher.  Sp\u00e4ter dann nicht mehr so. Aber wenn du sagst, das braucht nur  Zeit&#8230;?&#8220;&nbsp;&#8222;Meiner Erfahrung nach ist das so.&#8220;&#8220;Olwig  sagt, du k\u00fcmmerst dich um Clivings Herden. Du suchst aus, welche Pferde  f\u00fcr welche Arbeiten ausgebildet werden, welche verkauft werden oder auf  jeden Fall bleiben. Hast du das gemeint, mit dem, was du mir beibringen  willst? Wie man merkt, welches gut f\u00fcr was ist?&#8220;&nbsp;&#8222;Das, ja. Aber ich denke, in dir steckt noch mehr. Wir werden sehen. Magst du es denn mit mir vesuchen, Sigurd?&#8220;&#8220;Ich mit dir? Du w\u00fcrdest wirklich mir deine Zeit opfern?&#8220;Eldac  lachte wieder. &#8222;Das w\u00e4re wahrlich kein Opfer. Aber bedenke: Ich bin  nicht immer nur nett. Vor allem werde ich wenig R\u00fccksicht darauf nehmen,  ob du eine Hand hast oder zwei. Wenn sie f\u00fcr deine Aufgabe nicht  unbedingt vonn\u00f6ten ist, erwarte ich, da\u00df du erledigst, was ich dir  auftrage. Und ich erwarte, da\u00df die Pferde f\u00fcr dich wichtiger sind, als  deine Bequemlichkeit. Wir arbeiten manchmal lange, bis in die Nacht,  auch im Winter. Und du wirst weiterhin lernen m\u00fcssen, womit Gerwald  angefangen hat, denn oftmals wirst du Krankheiten behandeln m\u00fcssen.&#8220;&nbsp;Eldac  bi\u00df sich auf die Lippen ehe er fortfuhr. &#8222;Daf\u00fcr hat nicht jeder  Geschick. Bodhred war gut darin. Ich hatte ihn zu meinem Nachfolger  ausgebildet, wei\u00dft du? Aber Bodhred wird nie wieder mit mir durch die  St\u00e4lle gehen. Die Stute vorhin, Fredla, sie hat ihm geh\u00f6rt. Geol  Taernedden hat einen Lehrling dabeigehabt, der hatte auch Talent. Aber  er ist zum schwarzen Tor geritten. Ich wei\u00df nicht, ob er noch lebt.&#8220;  Schweigend stapfte er neben Sigurd weiter, der \u00fcber das Geh\u00f6rte  nachdachte.&#8220;Ich kann keine Verb\u00e4nde ordentlich gerade anlegen&#8220;, sagte er leise.&#8220;Du  kannst jemandem sagen, was er zu tun hat&#8220;, wischte Eldac diese Bedenken  fort. &#8222;Es braucht nicht nur die H\u00e4nde, Junge. Es braucht vielmehr den  Verstand, etwas zu erkennen, die richtige Auswahl zu treffen, die Tiere  zu verstehen.&#8220;&#8220;Ich  werde dir Bodhred aber nicht ersetzen k\u00f6nnen. Und es wird noch viele  Jahre dauern, bis ich wei\u00df, was er wu\u00dfte.&nbsp; Und ich m\u00f6chte in all der  Zeit nicht mit jemandem wetteifern m\u00fcssen, der nichtmal mehr da ist.&#8220; Eldac  sah ihn von der Seite her an und Sigurd blickte zur\u00fcck und blieb  stehen. &#8222;Ich m\u00f6chte lernen, mit Pferden zu arbeiten. Mehr nicht.&#8220; &#8222;So soll es sein&#8220;, erwiderte Eldac.<\/p>\n\n\n\n<p><br \/>Noch sp\u00e4ter:&#8220;Sigurd,  nein! Du gehst mit Eldac, er braucht dich f\u00fcr die Pferde.&#8220; &#8222;Aber&#8230;&#8220;  &#8222;Ich will nichts mehr davon h\u00f6ren. Du kommst nicht mit und Ende! &#8211; Und  sieh mich nicht so an: Ich sage das nicht wegen deiner Hand, sondern  weil du erst 11 Jahre alt bist, Kind! Wir reiten in gef\u00e4hrliches Gebiet,  da hast du nichts zu suchen&#8220;, knurrte Aerdan. &#8222;Meinst du, ich kann  st\u00e4ndig einen meiner M\u00e4nner abstellen, da\u00df er auf dich aufpasst?&#8220; Sigurd  hob stur das&nbsp; Kinn. &#8222;Ildin passt auf mich auf. Ich habe ja gar nicht  vor, zu K\u00e4mpfen mitzugehen, da bleibe ich dann zur\u00fcck.&#8220;Aerdan  schnaufte entnervt. &#8222;Was diskutiere ich hier eigentlich noch? Ildin mag  ein schlaues Pferd sein, aber er ist nur ein Tier, er kann dich nicht  gegen alles verteidigen, das dich finden k\u00f6nnte, selbst, wenn du bei  K\u00e4mpfen zur\u00fcckbleibst. Es l\u00e4sst sich nicht alles planen, Sigurd. Geh,  verabschiede dich von Olwig.&#8220;Jegliche  Sturheit war wie weggewischt. Es war weniger Mut als vielmehr Furcht,  was Sigurd antrieb, mit in den Osten zu wollen. Sein Arm war verheilt.  Er lernte immer besser, damit umzugehen und er wu\u00dfte, was er gegen die  Schmerzen nehmen konnte, die ihn hin und wieder plagten. Aber immer noch  \u00fcberkamen ihn manchmal Angstattacken. Dann sah er sich minutenlang  wieder auf dem Pelennor. Ildin, so sehr er ihn liebte, half dann wenig,  und Eldac auch nicht. Aus so einer Stimmung konnte ihn nur Olwig  herausholen. Er wollte jedoch Olwig nicht zur Last fallen, und Aerdan  auch nicht, also nickte er, bi\u00df sich auf die Lippen und schlich aus dem  Zelt.Beinahe  w\u00e4re er mit Orahan zusammengesto\u00dfen. &#8222;Ah, der Junge, der die Pferde  versteht,&#8220; sagte der l\u00e4chelnd. Vor wenigen Tagen hatte er Sigurd im  Einsatz beobachten k\u00f6nnen. Shem, ihr Heiler, war hochgradig ungl\u00fccklich  gewesen mit dem Pferd, das er im dunklen Land erbeutet hatte. Es hatte  ihn zwar hierher getragen, aber es war deutlich zu sehen, da\u00df es mit  seinem neuen Herrn ebenso ungl\u00fccklich war. Es war ein knochiges, scheues  Gesch\u00f6pf, das in st\u00e4ndiger Furcht vor allem lebte und am liebsten stets  die Flucht ergriffen h\u00e4tte. Solche Eskapaden endeten zumeist damit, da\u00df  Shem es geduldig wieder aufsp\u00fcrte, es dann mit sanftem Druck  unnachgiebig hinter sich herschleifte und beide sehr mi\u00dfmutig  dreinschauten, wenn sie wieder im Lager waren. Lorron hatte angeboten,  ein neues Pferd f\u00fcr Shem zu suchen und schlie\u00dflich war die Aufgabe,  eines auszuw\u00e4hlen, auf Sigurd gefallen. Der hatte nur ein paar Worte mit  Shem gewechselt und dann nicht lange gebraucht, da er sofort wu\u00dfte,  wonach er zu suchen hatte. Er hatte ihm eines der Zugpferde gebracht,  das vorm Wagen immer wieder \u00c4rger machte, weil es sich schlicht, wie  Sigurd fand, langweilte. Der Wagenfahrer beschrieb es als b\u00f6sartig und  hinterh\u00e4ltig, aber z\u00e4h. Sigurd h\u00e4tte es eher schlau, stark und mutig  genannt.&nbsp; Er hatte eine gute Wahl getroffen. Shem und der Gaul  verstanden sich auf Anhieb. Schon am n\u00e4chsten Tag hatte das kr\u00e4ftige  Tier begriffen, was Shem von ihm erwartete und begr\u00fc\u00dfte ihn morgens mit  einem Schnauben. Shem war gl\u00fccklich, und das wiederum machte seinen Clan  gl\u00fccklich.&#8220;Was  ist mit dir?&#8220; fragte Orahan nun, als er sah, wie Sigurd sich hastig an  ihm vorbeidr\u00fccken wollte, ohne richtig aufzusehen. &#8222;Alles in Ordnung?&#8220;&#8220;Ja&#8220;,  sagte der Junge knapp. &#8222;Mich \u00e4rgert nur, da\u00df ich nicht mitdarf mit  euch, weil ich noch ein Kind bin.&#8220; &#8222;Oh&#8220;, machte Orahan, und legte  nachdenklich die Hand ans Kinn. Aerdan&#8217;s Miene verfinsterte sich. Er  trat n\u00e4her. &#8222;Ich dachte, du h\u00e4ttest es verstanden, Sigurd.&#8220;&nbsp;&#8222;Das  habe ich, Captain. Aber darf ich mich nicht trotzdem \u00e4rgern? Ich h\u00e4tte  euch bestimmt auch nutzen k\u00f6nnen und nicht nur M\u00fche gemacht.&#8220;&nbsp;&#8222;Du hast gar nichts verstanden. Es ist zu gef\u00e4hrlich, um M\u00fche geht es nicht!&#8220;Orahan  stimmte Aerdans Worten zu. &#8222;Unser Weg wird nicht einfach und es ist  ungewiss, was wir am Ziel finden, da hat der Captain Recht&#8220;, sagte er.&nbsp;Aerdan nickte zufrieden.&#8220;Umso  mehr k\u00f6nntest du uns vonnutzen sein&#8220;, fuhr Orahan l\u00e4chelnd fort, &#8222;denn  da wir nicht wissen, was kommt, k\u00f6nnten es durchaus deine Talente sein,  die wir brauchen k\u00f6nnen.&#8220;           &#8222;Was? Das meint ihr nicht im Ernst!&#8220; fuhr Aerdan auf.                   &#8222;Und  wieso nicht?&#8220; fragte Orahan. &#8222;Wieso sollte ich angebotene Hilfe  abweisen, nur weil derjenige noch sehr jung ist? Er hat bewiesen, was er  kann. Sicher, er kann vieles nicht, aber das, denke ich, wird Shem  schon ausgleichen. Er wird nicht zulassen, da\u00df seinem jungen Freund ein  Leid widerf\u00e4hrt.&#8220;&#8220;Und wenn er es nicht verhindern kann?&#8220;&#8220;Dann&#8220;,  sagte Orahan einfach, &#8222;war es wohl nicht zu verhindern. Der Junge  meint, es ist der Weg, den er gehen mu\u00df. Ich sage, lasst ihn ihn gehen.  Wir geben Acht auf ihn und ihr werdet sehen: in drei Tagen seid ihr  froh, da\u00df wir ihn dabeihaben. Sobald das erste Pferd Probleme macht.&#8220;  Sigurd sah Aerdan nun so eindringlich und erwartungsvoll an, da\u00df dieser die H\u00e4nde in die  Luft warf. &#8222;Ach, macht doch, was ihr wollt!&#8220;&nbsp;Sigurd jauchzte auf, umarmte Aerdan kurz und rief beim Hinauslaufen: &#8222;Danke! Ich sag&#8217;s Olwig!&#8220; Der  war sich nicht sicher, ob er sich freuen sollte \u00fcber diese Nachricht,  oder nicht. Er war drauf und dran gewesen, die Gruppe doch noch zu  verlassen und mit Sigurd nach Cliving zu gehen, auch, wenn er lieber mit  den anderen in den Osten geritten w\u00e4re. Das konnte er nun zwar tun,  aber&#8230; Rulavan und der K\u00f6nig konnten sagen, was sie wollten: da\u00df es  ausgerechnet Ostlinge waren, die ihm f\u00fcr Sigurds Sicherheit  garantierten, st\u00f6rte ihn doch. Ja, diese waren auf ihrer Seite. Aber  gerade wenn er M\u00e4nner wie Shem sah, schmerzten ihn seine frisch  verheilten Knochen wieder bei der blo\u00dfen Erinnerung. Er wollte einen  Einsatz, wollte seinen Platz in der Gruppe finden. Auf die Art des  Einsatzes h\u00e4tte er aber dankend verzichten k\u00f6nnen. Und es war furchtbar  unvern\u00fcnftig, das Kind mitzunehmen.&nbsp;&#8218;Ach,  sei&#8217;s drum,&#8216; dachte er aber schlie\u00dflich, als er in Sigurds zufriedenes  Gesicht sah. Der Junge hockte vor einem Rucksack und stopfte gerade  seine wenigen Habseligkeiten hinein.&nbsp; &#8218;Er  will es so. Und er wird nicht das einzige Kind sein.  Ein paar wenige  aus Orahans Clan sind kaum \u00e4lter gewesen, als man sie verschleppt hat.  Vielleicht war Orahan deshalb nicht dagegen, weil er wei\u00df, da\u00df die Jungen soundso  gemeinsam unterwegs sein werden, auf der Reise.&#8216;<\/p>\n\n\n\n<p>(1 Monat sp\u00e4ter kommen Krieger und K\u00f6nig zur Kr\u00f6nung zur\u00fcck.&nbsp;Lorron  (oder Bynstan gleich mit nach Cliving) nimmt Eldac Horsemaster mit sich  gen Edoras samt der Tiere die von ihm geheilt wurden. Ranulf: entscheidet sich, doch mit Lorron&#8217;s Gruppe zu gehen, aus verschiedenen Gr\u00fcnden.Lorrons Gruppe: Tjoren, Ranulf, Seren, Runen, Leochtmar, Jarmun, Jarl, Alden, Hereward, Ormund, Jorrig, Eldac &#8230; In  Edoras: zuviel zu erledigen, als da\u00df der K\u00f6nig sie nach Cliving  schicken k\u00f6nnte. Bleiben bis Ende August in Eomers Dienst, zwischendrin  Lorron und Eldac heim. <\/p>\n\n\n\n<p>Aerdan bricht ab ca 10.5. nach Osten auf. Seine Gruppe enth\u00e4lt:Jurlen, Olwig, Errold, Osric, Enskar, Utred, Svanten, Wigbald, Bjorne, Gerich&#8230;Rulavan, (sp\u00e4ter Jestim), Haram, Vilheith, Gerfrith, Ealdwine, Woldmer, Kjelland&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tjoren kam, um sich von Aerdan zu verabschieden. Heute sollten sie sich ihren Anf\u00fchrern anschlie\u00dfen und zum schwarzen Tor reiten, um den dunklen Herrscher herauszufordern. Es war noch kaum hell drau\u00dfen.&nbsp; Sie sprachen leise miteinander, um die \u00fcbrigen im Zelt nicht zu st\u00f6ren. Tjoren war schon im Begriff, zu gehen, als Olwig sich regte. &#8222;Gebt &hellip; <a href=\"https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/?page_id=6487\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Olwig<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":0,"parent":4582,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-6487","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/6487","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6487"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/6487\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6496,"href":"https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/6487\/revisions\/6496"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/4582"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6487"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}