{"id":3081,"date":"2015-07-18T12:42:31","date_gmt":"2015-07-18T10:42:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/?page_id=3081"},"modified":"2016-06-19T18:43:11","modified_gmt":"2016-06-19T16:43:11","slug":"test","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/?page_id=3081","title":{"rendered":"Unruhe im Norden"},"content":{"rendered":"<p><em>Es gibt einige, die meinten, es habe erst mit dem Fall von Falkenruh begonnen. Doch jetzt wissen wir, dass es fr\u00fcher seinen Anfang nahm. Viel fr\u00fcher&#8230;<\/em><\/p>\n<p><strong>Es war im Fr\u00fchjahr 2998 des Dritten Zeitlalters.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/ScreenShot07385.jpg\" rel=\"lightbox[3081]\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-4154 size-large\" src=\"https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/ScreenShot07385-1024x543.jpg\" alt=\"ScreenShot07385\" width=\"474\" height=\"251\" srcset=\"https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/ScreenShot07385-1024x543.jpg 1024w, https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/ScreenShot07385-300x159.jpg 300w, https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/ScreenShot07385-57x30.jpg 57w, https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/ScreenShot07385-475x252.jpg 475w, https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/ScreenShot07385-1250x662.jpg 1250w, https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/ScreenShot07385-400x212.jpg 400w, https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/ScreenShot07385.jpg 1904w\" sizes=\"(max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Unsere Patrouillen begegneten bereits seit dem Ausklingen des Winters vermehrt kleinen Gruppen von Leuten, die den Gr\u00fcnweg heraufkamen und die alten Ruinen in den N\u00f6rdlichen H\u00f6hen, vor allem von Fornost Erain, durchstreiften.<\/p>\n<p>Die meisten waren Wagemutige aus dem Breeland, die nach einigen Kr\u00fcgen an Bier und unbedachten Worten ihren Mut durch einen Besuch des Totendeichs, wie die K\u00f6nigsnorburg in ihrem \u00f6rtlichen Sprachgebrauch genannt wurde, zu beweisen suchten. Oft genug verfl\u00fcchtigte sich ihre trunkene Entschlossenheit, je weiter sie gen Norden kamen, doch einige kamen tats\u00e4chlich bis in Sichtweite der alten Mauern.<\/p>\n<p>Kaum einer von diesen bedurfte jedoch einer nachdr\u00fccklichen Aufforderung zur R\u00fcckkehr in ihrer Heimat. Die meisten waren sich der sie beobachtenden und wachsamen Augen unserer M\u00e4nner nicht einmal bewusst, bevor das Heulen des steten Windes, der durch die Ruinen ging und die eindrucksvollen \u00dcberreste aus der alten Zeit ihnen die Behaglichkeit ihres Zuhause deutlichst vor Augen f\u00fchrte und ihre Schritte heimw\u00e4rts lenkte. Vergessen waren schon lange die Zeiten des N\u00f6rdlichen K\u00f6nigsreiches, zu dem auch sie einst geh\u00f6rt hatten.<\/p>\n<p>Etwas standfester waren die Gl\u00fccksritter, die die Aussicht auf alte Sch\u00e4tze trieb, die sich weiter im S\u00fcden zu einem Gewinn verkaufen lassen mochten. Der Entschlossenheit, mit der neben uns auch andere Gruppen der Waldl\u00e4ufer ihnen begegneten,\u00a0 hatten jedoch auch sie wenig entgegenzusetzen.<\/p>\n<p>Oft stimmten wir uns mit den anderen Waldl\u00e4ufern bei der Wacht \u00fcber die Ruinen ab. Wie schon den Winter zuvor kamen vor allem Maervor und sein Bruder Maedlor oft nach Falkenruh. Und auch Tirvaedan hielt sich in diesen Tagen noch oft im Norden auf und verbrachte\u00a0 Zeit mit alten Bekannten.<\/p>\n<p>Eine Gruppe von Eindringlingen erwies sich als hartn\u00e4ckiger, um von der Natur, der eigenen Furcht wie auch gutgemeinten Warnungen vertrieben zu werden. Mehrfach waren sie aus den \u00dcberresten der alten Hauptstadt von Arnor verjagt worden, doch kamen sie immer wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Als sie ein drittes Mal aufgesp\u00fcrt wurden, griffen sie unsere Leute an. Besser ausger\u00fcstet als die meisten aus dem Breeland, die sich mit wenig mehr als dem schartigen Speer eines Ahnen auf den Weg gemacht hatten, lieferten sie heftige Gegenwehr und k\u00e4mpften verbissen bis zum Tod.<\/p>\n<p>Sie f\u00fchrten nichts von Wert mit sich und kaum etwas, das Anhaltspunkte auf ihre Ziele und Beweggr\u00fcnde zu geben vermochte. Nur eine alte Karte der Stadt, mit einigen Markierungen. Viele von diesen f\u00fchrten zu im Laufe der Zeit vollst\u00e4ndig eingest\u00fcrzten Geb\u00e4uden verschiedenster Bauart, ohne dass sich jedoch daraus ein Muster erkennen lie\u00df, was sie gesucht haben mochten.<\/p>\n<p>Die M\u00e4nner waren sorgsam und systematisch vorgegangen und hatten viele Erg\u00e4nzungen auch der Wege und des Landstrichs zwischen dem Breeland und den N\u00f6rdlichen H\u00f6hen eingezeichnet. Ihr Weg h\u00e4tte sie auch nach Falkenruh gef\u00fchrt, wenn sie nicht aufgehalten worden w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Der einzige andere Hinweis, den sie hinterlie\u00dfen, war das Zeichen eines Schmiedes auf der einzigen etwas hochwertigeren Klinge desjenigen, der die Gruppe offenbar angef\u00fchrt hatte. Nach allem, was unsere M\u00e4nner berichteten, hatte sich dieser Mann zwar im Hintergrund gehalten und anderen das Wort \u00fcberlassen, doch war es unmi\u00dfverst\u00e4ndlich gewesen, dass er die Autorit\u00e4t in der Gruppe besessen hatte. Er war auch derjenige gewesen, der am Besten und Hinterlistigsten gek\u00e4mpft hatte. Das Gift auf seiner Klinge war dank Tirvaedans Kenntnissen rasch erkannt und keine Verluste unsererseits zu beklagen gewesen, doch hatte sich dieser Mann deutlich von seinen Begleitern abgehoben und unsere Besorgnis \u00fcber das Ereignis nur best\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Tirvaedan war sich sicher, das Zeichen des Schmiedes bereits zuvor einmal gesehen zu haben, irgendwo im Breeland. Doch war dies bereits einige Zeit her und er vermochte sich nicht mehr an etwas Genaueres zu den Umst\u00e4nden erinnern.<\/p>\n<p>Um zu versuchen, etwas Licht in diese Angelegenheit zu bringen, entschieden wir, dem nachzugehen. Tirvaedan wollte die Waldl\u00e4ufer im Breeland aufsuchen, und Edarn und ich w\u00fcrden in Bree bei den dortigen Schmieden mit der Suche beginnen.\u00a0 Der \u00e4ltere Waldl\u00e4ufer benannte uns vor seinem Aufbruch noch einen der Breel\u00e4nder Bannwarte, der uns vielleicht unterst\u00fctzen w\u00fcrde.<br \/>\nIm Allgemeinen standen die Breel\u00e4nder Fremden und Waldl\u00e4ufern im Besonderen eher misstrauisch und zur\u00fcckhaltend gegen\u00fcber. Etwas, dass ich auf meiner Reise gen Falkenruh bereits hatte erleben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>So gern ich auch Ferneg bei dieser Sache an meiner Seite gewusst h\u00e4tte, die Wunde, die er sich im Kampf gegen das Gesindel zugezogen hatte, lie\u00df es nicht zu.<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Ich mochte Daerren Vestardt vom ersten Augenblick. Tirvaedan war sich nicht sicher gewesen, wo er sich inzwischen aufhalten mochte. Und tats\u00e4chlich wurden Edarn und ich erst in Bree selbst f\u00fcndig, nach l\u00e4ngerem erfolglosen Suchen auf den umliegenden Geh\u00f6ften und in den angrenzenden Weilern .<\/p>\n<p>Als wir zu dem Wachhaus kamen, wo er Dienst verrichtete, war er gerade am Trainieren mit einem Bogen in der Art, wie er auch von den Waldl\u00e4ufern gern genutzt wurde. Und auch seine Erscheinung und seine ruhige ernste Art erinnerten mehr an diese als an einen Breel\u00e4nder. Doch hatte Tirvaedan uns kaum etwas \u00fcber ihn erz\u00e4hlt und er selbst sagte ebenso wenig \u00fcber sich als wir uns trafen und ihm unser Anliegen erl\u00e4uterten und er uns seine Unterst\u00fctzung zusagte.<\/p>\n<p>Wir waren bei unserer Ankunft im Breeland mit dem Hauptmann der Wache von Bree \u00fcbereingekommen, dass wir im Gegenzug zu der Unterst\u00fctzung durch Daerren Informationen weitergegeben w\u00fcrden.\u00a0 Der Totendeich und Relikte der Vergangenheit mochten ihm egal sein und die Waldl\u00e4ufer oft genug selbst suspekt. Aber Leute, die vergiftete Klingen f\u00fchrten, waren auch f\u00fcr seine Stadt eine Gefahr.<\/p>\n<p>Daerren hatte uns verschiedene Ansatzpunkte gegeben, wo wir uns erkundigen k\u00f6nnte, w\u00e4hrend er an anderen Stellen mit der Suche besch\u00e4ftigt war. Er hatte Tirvaedans Vermutung hinsichtlich des Schmiedezeichens best\u00e4tigt und war sich sicher, dass die Spur es wert war, verfolgt zu werden. Denn auch bei der anderen Gelegenheit, bei der er von einer solchen Klinge geh\u00f6rt hatte, war diese nicht zu Gutem eingesetzt worden.<\/p>\n<p>Wir trafen uns zu verabredeten Zeiten an abgelegenen Orten oder hinterlie\u00dfen Nachrichten . Die Zusammenarbeit mit Daerren erinnerte Edarn und mich stark an die unsere mit den Waldl\u00e4ufern, doch respektierten wir Daerrens Wunsch, dieses Thema ruhen zu lassen.<\/p>\n<p>Einmal erhielten wir Nachricht von Tirvaedan, doch auch er war bisher nicht weiter gekommen.<\/p>\n<p>Dann kam der Tag, an dem Daerren nicht am vereinbarten Treffpunkt erschien, und auch keine Nachricht zu finden war. Seine letzte zuvor hatte angedeutet, dass er auf einer hei\u00dfen Spur war. W\u00e4hrend Edarn den Treffpunkt \u00fcberwachte, h\u00f6rte ich mich um, ob jemand \u00fcber Daerrens Verbleib Auskunft geben konnte. Doch Daerren blieb verschollen.<\/p>\n<p>Erst zwei Tage sp\u00e4ter, bei einem erneuten Besuch eines Postens der Wache von Bree erfuhren wir mehr. Ein Tagel\u00f6hner berichtete vom Fund zweier Leichen in der N\u00e4he der Stelle, wo er arbeitete. Die Beschreibung des einen Toten passte auf den vermissten Bannwart. Mit Erlaubnis der Breel\u00e4nder Wache begleiteten wir sie und den Tagel\u00f6hner zum Fundort.<\/p>\n<p>Was immer ihn auch dorthin gef\u00fchrt haben mochte, es war ohne Zweifel Daerren Vestardt, der dort sein Ende gefunden hatte. Get\u00f6tet durch ebenso eine Klinge, wie wir sie gesucht hatten. Den anderen Mann, den Daerrens eigene Klinge noch erwischt hatte, erkannte einer der Breel\u00e4nder Wache als Tagel\u00f6hner, der mal hier, mal dort den Leuten vor Ort zur Hand ging. Mehr jedoch wusste keiner \u00fcber ihn.<\/p>\n<p>In den Satteltaschen bei seinem Pferd, welches in der N\u00e4he versteckt gewesen war, fanden wir Schmiedewerkzeug und ein zweites Messer, wie die beiden, die Daerren get\u00f6tet und auch Ferneg bei dem Kampf im Norden verletzt hatte.<\/p>\n<p>Offenbar hatte Daerren den Schmied tats\u00e4chlich aufgesp\u00fcrt, doch welche Antworten auf unsere Fragen er auch immer gewusst hatte, sie waren mit ihm gestorben &#8211; ebenso wie ein guter Mann, der sein Leben dem Schutz anderer gewidmet hatte.<\/p>\n<p>Ich sah bei Edarn die selbe Betroffenheit, die auch ich versp\u00fcrte. Daerren hatte uns ohne zu z\u00f6gern geholfen. Doch als er selbst Hilfe ben\u00f6tigte, waren wir nicht da gewesen.<\/p>\n<p>Die Mutma\u00dfungen der Breel\u00e4nder, der Tagel\u00f6hner k\u00f6nnte ein S\u00fcdl\u00e4nder gewesen sein, mochten genauso richtig wie auch falsch sein. Sie hatten weniger Kenntnisse von den L\u00e4ndern um sie herum. Die vielen K\u00e4mpfe Gondors im S\u00fcden waren im besten Fall Geschichten, die Fremde auf ihrer Reise durch den Ort mit sich brachten.<br \/>\nDie hiesigen R\u00e4uber schienen mit den an anderen Orten nicht zu vergleichen zu sein. Soviel hatte ich schon bei Daerrens Ausf\u00fchrungen vermutet.<\/p>\n<p>Ich war mir jedoch nicht sicher, woher der Mann gekommen sein mochte. Nichts an ihm oder den Sachen, der er bei sich gef\u00fchrt hatte, gab einen Hinweis auf seine Herkunft. Und auch Edarn sch\u00fcttelte nur ratlos den Kopf.<\/p>\n<p>Als die M\u00e4nner die beiden Toten wegbrachten, erwartete uns eine weitere schlimme Neuigkeit, die wir aus den Gespr\u00e4chen erhielten.<br \/>\n&#8222;Der arme Daerren&#8230;&#8220; &#8222;Seine Familie muss es erfahren&#8230;&#8220; &#8222;Er hatte Familie?&#8220; &#8222;Einen Jungen, oder waren es zwei?&#8220; &#8222;Hm, sie wohnen doch in der N\u00e4he des Armenviertels, oder?&#8220; &#8222;Im Armenviertel, da neben dem alten Joe&#8230;&#8220; &#8222;Ist seine Frau nicht vor einger Zeit gestorben?&#8220;<br \/>\nDaerren hatte niemals \u00fcber sich gesprochen, nur \u00fcber den Auftrag, wenn wir zusammen waren. Und so war es ein Schock zu erfahren, dass er eine Familie hinterlie\u00df.<\/p>\n<p>Ich sah Edarns Blick den M\u00e4nnern mit den beiden Toten folgen. Wahrscheinlich dachte auch er an seine eigene Familie und die M\u00f6glichkeit, dass sie eines Tages die Nachricht seines Todes \u00fcberbracht kriegen mochten. Ohne Worte waren wir uns einig. Daerren hatte den Dienst f\u00fcr uns mit seinem Leben bezahlt. Das Mindeste, was wir tun konnten, war, nach seiner Familie zu sehen.<\/p>\n<p>Es wurde bereits Abend, als wir uns nach dem langen Tag vom Hauptmann der Wache verabschiedeten, die Toten in seinem Gewahrsam zur\u00fccklassend.<br \/>\nBisher waren wir noch nicht im Armenviertel von Bree gewesen. Ich kannte so etwas aus meiner Jugend, doch Falkenruh selbst war eine zu kleine und verschworene Gemeinschaft, um etwas Entsprechendes entstehen zu lassen.<\/p>\n<p>In der D\u00e4mmerung wirkten die engen Gassen und notd\u00fcrftigen Unterst\u00e4nde noch bedr\u00fcckender. Und es war sicher keine Einbildung, dass uns Tom, einer der M\u00e4nner der Wache, ohne gr\u00f6\u00dfere Verz\u00f6gerungen durch das Gewirr lotste, wobei er nicht der einzige war, der sich immer wieder umschaute.<br \/>\nDaerrens Tod hatte auch sie ersch\u00fcttert. Er war f\u00fcr seine Arbeit respektiert worden, auch wenn sonst auch bei der Wache wenig \u00fcber ihn bekannt gewesen war.<br \/>\nIch schalt mich f\u00fcr meine Torheit, dass ich nicht einmal daran gedacht hatte, dass eventuell eine Familie auf ihn warten mochte, und ich w\u00fcnschte, Tirvaedan w\u00e4re in der N\u00e4he, doch seine letzte Nachricht hatte besagt, dass er l\u00e4nger nicht erreichbar sein mochte. Hatte er es gewusst? War er sich deshalb nicht sicher gewesen, ob Daerren uns helfen w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Als wir schlie\u00dflich die kleine Gasse erreichten, wo Daerrens Familie wohnen sollte, lag diese im Dunkeln. Auf unser Klopfen regte sich nichts in dem heruntergekommenen Haus.<br \/>\nEiner der Nachbarn allerdings, durch unser Klopfen aufmerksam geworden, erz\u00e4hlte uns schlie\u00dflich, dass er die Schwester von Daerrens verstorbener Frau seit einem Tag nicht mehr gesehen habe. Und sein Junge wohl noch unterwegs sei, arbeiten.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht mehr, was ich nach seiner Erz\u00e4hlung dachte, was uns erwartete. Doch war es sicher nicht der hagere Junge, der m\u00fcde in zu gro\u00dfen Sachen kurz darauf die Gasse hochkam&#8230;<\/p>\n<p>Daerrens Sohn, Daronart &#8211; oder Daro, wie er gerufen wurde &#8211; wirkte \u00e4lter als seine 8 Sommer. Seine Mutter und sein j\u00fcngerer Bruder waren vor zwei Jahren im Winter gestorben. Seitdem wohnten sie bei der Tante in Bree, da Daerren oft von seiner Arbeit \u00fcber Nacht aufgehalten wurde. Daro erz\u00e4hlte uns, dass seine Tante ihr Einkommen mit N\u00e4hereien aufbesserte, ebenso, wie er selbst ein wenig in einer der Schmieden half.<\/p>\n<p>Da es ungew\u00f6hnlich war, dass sie \u00fcber Nacht wegblieb und wir uns vergewissern wollten, dass alles in Ordnung war und um mit ihr \u00fcber Daerrens Tod zu sprechen, machten wir uns mit dem Jungen auf die Suche.<br \/>\nIhn mitzunehmen gefiel uns nicht, doch wollte niemand ihn alleine zu Hause oder bei dem redseligen Nachbarn lassen &#8211; zumal nicht nur mich der Eindruck beschlich, dass der Junge uns sowieso gefolgt w\u00e4re. Wir hatten ihm die Nachricht vom Todes seines Vaters noch nicht \u00fcberbracht, doch glaubte ich, dass er bereits gesp\u00fcrt hatte, dass etwas nicht stimmte.<\/p>\n<p>Daro f\u00fchrte uns zu einer Reihe von Kunden, bei denen seine Tante h\u00e4ufiger Auftr\u00e4ge angenommen hatte. Es mag purer Zufall gewesen sein, dass wir an der erbl\u00fchenden Hecke in dem Hinterhof Halt machten. Zumindest erinnere ich mich nicht mehr an eine bewusste Entscheidung. Der Tag und die hereinbrechende Nacht waren jedoch lang gewesen und wir alle hundem\u00fcde.<br \/>\nStattdessen sind mir Toms erstaunter Ausruf und sein vergeblicher Versuch, den Jungen von dem fernzuhalten, was er dort zwischen den Ranken der Hecke entdeckt hatte, deutlich im Ged\u00e4chtnis geblieben.<\/p>\n<p>Daros Tante war vor ihrer Zeit gealtert. Sorgen hatten tiefe Linien in ihrem Gesicht hinterlassen. Doch waren keine Anzeichen von Gewalt zu erkennen, die zu ihrem Tode gef\u00fchrt haben k\u00f6nnte.<br \/>\nDas sorgsam geflickte Kleid wies keine Besch\u00e4digungen auf, au\u00dfer von ihrem Sturz und den Dornenranken. Das Paket mit der Ware und selbst ihr Beutelchen mit ein paar M\u00fcnzen waren noch da.Sie h\u00e4tte einfach schlafen k\u00f6nnen, wie sie da so lag&#8230;<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Tom sich um die Benachrichtigung seiner Kollegen k\u00fcmmerte, kehrten Edarn und ich mit dem Jungen ins Gasthaus zur\u00fcck, wo wir uns f\u00fcr die Dauer unseres Aufenthaltes in Bree eingemietet hatten.<br \/>\nIch hoffe, dass die Tage, an denen ich jemandem den Tod eines nahen Angeh\u00f6rigen erkl\u00e4ren muss, seltene Anl\u00e4sse bleiben.<br \/>\nDiesen Abend im T\u00e4nzelnden Pony werde ich zumindest lange nicht vergessen.<br \/>\nDas ernste Gesicht des Jungen, das kaum preisgab, wie sehr ihn die Neuigkeit \u00fcber seinen Vater getroffen hatte. Die leise Frage, was nun geschehen w\u00fcrde, auf die es keine einfache Antwort gab&#8230;<\/p>\n<p>Es dauerte lange, bis der Junge in dieser Nacht etwas Ruhe gefunden hatte&#8230; und noch l\u00e4nger, ehe Edarn und ich daran denken konnten&#8230;<\/p>\n<p>&#8212;&#8211;<\/p>\n<p>Der Rest ist schnell erz\u00e4hlt&#8230;<br \/>\nDie Wache untersuchte den Tod der Tante, fand jedoch auch weiter keine Hinweise darauf, dass ihr ein Leid angetan wurde.\u00a0 Nachbarn und auch Daro berichteten, dass es ihr bei Aufregung schnell schlecht erging und so blieb das Ergebnis, dass ihr schwaches Herz sie wohl im Stich gelassen hat &#8211; ein grausamer Zufall, der dies genau in dieser Zeit hatte passieren lassen&#8230;<br \/>\nAuch zu Daerrens Tod fanden sich keine weiteren Spuren, die Zweifel an dem bereits Bekannten \u00fcbrig lie\u00dfen. Der andere Tote war mal hier und mal dort gesehen worden, doch niemals negativ aufgefallen.<\/p>\n<p>Und was Daro anging&#8230; nun, Daerren war in meinem Dienst gestorben. Er hatte keine weiteren Angeh\u00f6rigen im Breeland, die Daro h\u00e4tten aufnehmen k\u00f6nnen. So nahm ich ihn mit in den Norden.<\/p>\n<p>Bis auf zwei Unterbrechungen blieb diese Reise ereignislos&#8230;<br \/>\nDie erste verursachte Daro selbst.<br \/>\nSein Vater war, wie schon seine Mutter und sein kleiner Bruder vor ihm, auf einem versteckt liegenden Waldfriedhof in kleinem Kreise beigesetzt worden. Und auch seine Tante ruhte dort nun.<br \/>\nAls wir auf dem Weg gen Norden in der N\u00e4he vorbeiritten, rutschte der Junge vor mir aus dem Sattel und flitzte zum Friedhof.<\/p>\n<p>Als wir ihm nachkamen, hatte er sich bereits von seiner Familie in aller Stille verabschiedet.<br \/>\nDas kleine Holzschiffchen, das einzige, was Daro aus seinem kargen Zuhause hatte mitnehmen wollen, thronte nun auf der Grabst\u00e4tte seiner Familie.<br \/>\nEin stolzer Dreimaster, den sein Vater f\u00fcr seinen kleinen Bruder geschnitzt hatte, als dieser krankgeworden war. Ein Schiff, wie ich es aus den H\u00e4fen des S\u00fcdens kannte. Ein weiteres stummes Zeugnis \u00fcber einen Mann, der zu seinen Lebzeiten weit herumgekommen sein musste.<br \/>\nWir verweilten einen Moment dort in Gedenken, bevor wir wieder\u00a0 aufbrachen, Daro, der nie reiten gelernt hatte, erneut vor mir im Sattel.<\/p>\n<p>Die zweite Unterbrechung war ein Stein, den sich mein Pferd eingetreten hatte. Bei einem Geh\u00f6ft, dessen Bewohner Tirvaedan nach Waldl\u00e4ufern nicht ganz so misstrauisch wie andere gegen\u00fcberstanden, erwarb ich ein Pferd, um mit dem Jungen weiterzureiten, w\u00e4hrend Edarn dort blieb, um auf Tirvaedan zu warten, zumindest eine Nachricht zu hinterlassen und nach dem Pferd zu sehen.<br \/>\nEs war nicht mehr weit nach Schragen, so dass wir es wagten, uns aufzuteilen.<\/p>\n<p>Daro und ich statteten Mincham einen Besuch ab, doch hatte auch er nichts Neues zu berichten. Als wir weiterritten, meinte Daro, dass fr\u00fcher, als sie noch nicht in Bree gelebt hatten, oft Leute wie Mincham, seinen Vater besucht hatten. In aller Heimlichkeit, da sie in ihrem Dorf nicht wohl angesehen gewesen waren. Es best\u00e4rkte mich in meinen Vermutungen \u00fcber Daerren, doch sollte es viel l\u00e4nger als erwartet dauern, bis ich mehr \u00fcber ihn erfahren konnte.<\/p>\n<p>Als Daro, Edarn, der wieder zu uns aufgeschlossen hatte, und ich schlie\u00dflich Falkenruh erreichten, warteten Edarns Sohn Hadden und Jovan bereits sehns\u00fcchtig auf uns.<\/p>\n<p>Meine vor\u00fcbergehende Sorge, wie meine Familie reagieren w\u00fcrde, wenn ich ihnen unvermutet ein neues Familienmitglied pr\u00e4sentierte, erwies sich als unbegr\u00fcndet, als die beiden Jungen vom ersten Moment an wie Br\u00fcder miteinander umgingen und auch Lothanhael Daro ohne zu z\u00f6gern in unsere Familie aufnahm&#8230;<\/p>\n<p><em>Nichts deutete auf das hin, was einmal kommen w\u00fcrde&#8230;<\/em><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.falkenruhs-wacht.de\/wpr\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/Falkenruh_export.pdf\">Falkenruh_export<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es gibt einige, die meinten, es habe erst mit dem Fall von Falkenruh begonnen. 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